Ostfriesland


rps20120908_183811Ja, hier in Ostfriesland ist die Welt noch in Ordnung. Wir trinken pausenlos Tee mit Kluntje und Wölkje, abends auch gerne mit Rum, gehen in Gummistiefel mit unseren Seehunden Gassi im Wattenmeer, und werfen vor dem Zubettgehen mit einem Stein das Licht aus.
1997 hat es auch mich in das ostfriesische Deichhinterland gespült. Der Job war schuld, aber gut, ich konnte damit leben. In der „Wiege Preußens“ aufgewachsen, ging es nun eben in eine preußische Provinz. Hat ja auch etwas missionarisches.
Nein, ich hänge keinem Monarchen nach, nur von der Mentalität der Menschen her, konnte ich mir diesen Landstrich ganz gut als Heimat vorstellen. Ich war eben noch jung, und  sehr naiv.
Man bekommt ja hier die ersten Tage und Wochen kein Bein auf den Boden. Als Fremder wird man irgendwie ständig und überall misstrauisch beäugt, und selbst meine spätere Liason mit einer Eingeborenen, heute noch immer meine Holde, hat anfangs nicht viel dazu beigetragen, dass ich die Sprache hier verstand, geschweige denn die Denke dahinter.

Mittlerweile hat Ostfriesland mich assimiliert. Mit den Eingeborenen komme ich seit über einem Jahrzehnt recht gut klar, und mein Lebensmotto „Man muss ja nicht jeden Quatsch mitmachen“ gilt auch hier, nur dass „Quatsch“ eben „Schafscheiß“ genannt wird. Das ostfriesische Platt verstehe ich, wenn nicht alle auf einmal und dörnanner platteln, ganz passabel. An der Pflege der gesprochenen Eingeborenensprache mag ich mich nicht so recht beteiligen, zumal ab und an mein Altmärker Dialekt doch wieder durchkommt.

Ich trinke gaWiekenz sicher nicht so oft Tee, wie manche meinen, und führe auch daheim keine ostfriesischen Volkstänze mit unserem Seehund auf, um ehrlich zu sein, wir haben nicht mal einen Hund. Aber trotzdem hat mich das rauhe Land für sich gewonnen. Das mag an der Kontinuität liegen. Es fängt ja schon bei einem sehr konstanten Wetter an, geht über die recht einsilbige Sprache, bis hin zu gleichbleibender und echter Menschlichkeit der Menschen hier. Der meisten zumindest.

Das gesprochene Wort, wenn es denn mal endlich gesprochen wurde, zählt hier noch genauso wie der kräftige Handschlag, um eben auch ungesprochene Worte zu besiegeln.
„Die in Berlin“ haben den gleichen schlechten Ruf wie wohl vor zweihundert Jahren schon, und ganz sicher nicht zu unrecht. „Die in Hannover“ werden, wie wohl überall in der Welt, weitestgehend ignoriert. Ostfriesische Politik bezieht sich einfach auf Ostfriesland. Scheinbar etwas eigenbrötlerisch und weltfremd, aber eben auch nur scheinbar und ist vor allem einfach effektiv.

Der Weg ist das ZielIch habe viele Menschen kennengelernt, die mit der Mentalität hier gar nicht klar kamen, und schnell wieder das Weite suchten. Sollen sie es im
Sauerland, im Harz oder in Brandenburg finden, und glücklich werden.
Ich bin es hier!

Weltfremd bin ich sicher, auch als „Beuteostfriese“, nicht geworden. Die Kontinente, außer der Antarktis, habe ich gesehen, und das Leben dort in weiten Teilen sogar verstanden. Wenn es mich in meiner Jugend bereits nach Ostfriesland verschlagen hätte, wäre ich sicher zur See gefahren. Der antiimperialistische Schutzwall hat dies allerdings wirkungsvoll verhindert. Was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden. Schließlich lebe ich nur ein paar Meter neben dem, nach Hamburg, zweitgrößten Reedereistandort Deutschlands. Da kann sich, auch in ein paar Jahren, immer noch etwas ergeben.

Bis dahin werde ich mich allerdings der Aufzucht unserer beiden Kinder widmen. Ihnen solange ihre ostfriesischen Wurzeln lassen, wie sie es brauchen.
Für mich persönlich ist klar: Ostfriesland als Heimat zu haben, ist wohl so ziemlich das Beste, was einem Menschen im Leben passieren kann. Wenn man die Geduld und das Glück hat, hier anzukommen.

Und nun: Reklame!

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3 Antworten zu Ostfriesland

  1. Schnippelboy schreibt:

    ich lebte dort 26 jahre, naja !!!

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  2. muellermanfred schreibt:

    Ich mag das auch, dieses Ostfriesland. Nachdem ich das erste Mal da war, habe ich darüber etwas geschrieben. Vielleicht magst du es lesen:
    http://www.muellermanfred.de/2013/07/vier-tage-friesland/

    Gefällt 2 Personen

  3. mbuguajellin alias sunnyjobs schreibt:

    jo- dat is mal ne´super schöne beschreibung meiner heimat– wurde mit 13 in die grossstadt bremen verschleppt– und habe jahre schwer gelitten– bis ich flügge genung war, um mir wat eigenes zu suchen– allerdings bin ich nicht nach o s t f r i e s l a n d zurückgekehrt !! die innere verbundenheit bleibt- ich bin durch und durch ostfriese !! jo, dat ! :)) p.s,: bin zu blöde mich bei wordpress einzuloggen– kommt tiid kommt loggen!!

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