Herzverstopfung

Nicht poetische Herzverstopfung aus überquellender, vielleicht nicht erfüllter Liebe. Oder aus unausgesprochener Sorge um die Liebsten.
Nicht das Verstopfen des Herzens als solches, sondern die Verstopfung der Herzkranzgefäße, des Herzmuskel-versorgungssystems. Im wahrsten Sinne des Wortes also. Das Zusetzen der Blutgefäße mit Ablagerung an den Innenwänden. Wie Plaque, nur eben nicht so leicht mit einer Bürste wegputzbar. Keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Kann einem schon zusetzen so ein Zusetzen. Sterben kann man sogar daran. Hab ich kurz gemacht, hat sich nicht bewährt.Man kann aber auch was dagegen tun, klar. Vernünftiges Zeug essen zum Beispiel, mehr Gemüse und so. Rohkost in Mengen, Rindfleisch in Maßen und ruhig mal wieder Fisch. Auch Sport hilft. Niedrige Intensität, dafür früher anfangen und später aufhören. Alkohol nur im homöopathischer Dosis, wenn überhaupt. Beim Kochen vielleicht und auf der Terrasse.
Medikamente gibt es wiederum reichlich, aber davon möchte ich ja sukzessive wieder weg. Die Pillen haben mir in den letzten Monaten sicher mehr geholfen, als geschadet – Danke Pharmaindustrie, echt jetzt – eine Dauerlösung möchte ich allerdings nicht unbedingt daraus machen.

Gene wiederum kann man ja nicht ändern, die bekommt man bei der Geburt schon mit
– Danke Mama, ich bin Dir deswegen aber nicht böse, echt nicht –
Regelmäßig zum Kardiologen latschen, nun schon. War ja vorher nur was für alte Leute. Mit dem Wissen um den Tod im Hinterkopf lässt man diesen einen Muskel dann doch lieber einmal zu viel auf Verstopfung untersuchen. Und man lässt sich lieber noch einen zweiten Herzkranz wachsen. Durch Sport. Langsam aber sicher. Etwaige Engstellen werden vom Körper tatsächlich durch die Bildung neuer Blutgefäße umgangen. Bei regelmäßiger Belastung. Durch Sport in niedriger Intensität. Sehr niedrig.
Dass Bewegung auch hilft, Cholesterin- und andere Blutfettwerte zu senken, ist ja wohl keine Neuigkeit mehr. Auch so ein Plaquezeug, wie so einiges in unserem Wohlstandsblut.

In den letzten Monaten habe ich mein Sportpensum deutlich erhöht. Bedingt sicher auch durch eine größere Selbstsicherheit nach der Kur in Sankt Peter-Ording. Ein größeres Grundvertrauen in das Organ an sich habe ich da schon aufgebaut.
Die Stunden am Tag, in denen ich vor gut 500 Tagen noch herzverstopfend an der Zigarette herumgesaugt habe, verbringe ich nun hauptsächlich mit Sport. Nicht jeden Tag, aber fast jeden. Im diesjährigen März hatte sich meine Schrittanzahl im Vergleich zum Vorjahresmärz gut verdreifacht, zum Vorinfarktmärz knapp verdoppelt. Ich schwimme wieder recht regelmäßig. Auch mal zwei Kilometer am Stück. Und ich laufe nennenswerte Strecken in solchen Zeiten, dass ich mir dafür nicht extra einen Tag Urlaub nehmen muss. Immer schön im sehr niedrigen Trainingspulsbereich. Okay, fast immer. Das Kardioprogramm in der Muckibude oder daheim auf dem Stehrad ist da schon eher als lockeres Aufwärmen zu sehen. Ein sehr regelmäßiges Aufwärmen, aus Gewohnheit. In niedriger Intensität, ca. acht Stunden nur Kardio pro Woche insgesamt. Jede Woche.

Mein Plan hat sich also ziemlich verselbstständigt, ist zu einem großen Teil zur Routine geworden und auch ein großer Teil meines Kampfes gegen die Herzverstopfung. Einen Kampf, den ich innerlich wohl schon begonnen hatte, als ich damals  wieder aufwachte.

Mehr als gewinnen kann ich dabei ja nicht.

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