Mensch!

Ja, ich habe hier lange nichts dazu reingetippt. Ja, ich hatte anderes zu tun. Nachdenken zum Beispiel, und auch Kopfschütteln.
Über Menschen und ihre Art. Ihre merkwürdige Art zu sagen: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Über die Art, wie mit anderen Menschen umgegangen wird. Von Menschen. Hier. Und dort. Mit Menschen, die eben nicht von hier sind.

Da gibt es die, die diese Menschen schon immer ablehnten. Wie sie allgemein wohl Menschen ablehnen. Außer sie sind blond und blauäugig. Aber selbst dann auch noch oft. Das Geschwür unserer Gesellschaft. Nachwachsend, wuchernd.
Und die Menschen, die die Arme ausbreiten und „Willkommen!“ rufen. Virtuell im Netz und mitunter wohl auch im realen Leben. Hoffentlich.

Zwei Lager bilden sich. Diejenigen mit den Hygieneartikeln und Wasserflaschen im Kofferraum auf dem Weg zur nächsten oder übernächsten Flüchtlingsunterkunft. Und andere, mit den Brandsätzen am langen Arm. Nachts, allein oder zu zweit. Dazwischen kaum etwas. Ein Busfahrer, der alle seine Fahrgäste willkommen heißt. Vielleicht. Einer von vielen. Hoffentlich. Ein paar stille Menschen, die einfach tun. Tun statt reden.

Die Jungs und Mädels mit den Brandsätzen in der Faust, welche sie gegen die Unterkunftsmauern schleudern, möge der verlängerte Arm des Gesetzes treffen. Wird er auch. Irgendwann.
Aber mit den „Willkommen! Refugees Welcome“ Rufen tue ich mich ebenso schwer.

„Willkommen!“, sage ich zu Menschen, die mich besuchen, Menschen, die ich eingeladen haben. Menschen, bei denen ich mich freue, dass sie den Weg zu mir gefunden haben. Freiwillig.

Jemand der Asyl sucht, sucht vor allem eines. Schutz. Sagt ja schon das Wort.
Schutz wovor auch immer. Krieg, Vergewaltigung, Folter, auch Armut. Und er sucht sicher vor allem eines, seine Ruhe. Als Mensch. Unfreiwillig.

Diese Menschen habe ich weder eingeladen, noch haben sie sich selbst eingeladen. Die Gründe, seine Heimat zu verlassen, müssen schon sehr gewichtig sein. Wir reden hier ja nicht von einem lächerlichen Umzug von Ostfriesland an den Bodensee.
Quoten bestimmen, wo sie ihren Schutz bekommen. Quoten die irgendwie dubios festgelegt werden, weder diese Menschen noch ich Einfluss darauf habend.

Nein, diese Menschen sind mir nicht willkommen.
Das würde nämlich bedeuten, dass ich mich freue. Mich freue, dass sie ihre Heimat verlassen mussten. Mich darüber freue was sie erleben mussten und sie willkommen heiße auf einem Fleckchen Erde, wo sie kaum jemanden kennen. Ihre Familien, ihre Freunde, ihr Umfeld vermissen werden, ihre Traumata nicht loswerden. Mich freue, dass sie alles was sie hatten irgendwelchen Schleppern zwischen die Kiemen warfen, um nun hier zu sein. Mit wenig, fast nichts.

Zu sein?

Ich bin über jeden Menschen froh, der es unter dieser einen Sonne bis hierher geschafft hat. Aus welchen Gründen auch immer. Jeden Menschen, der nun den Schutz hat, der ihm zusteht. Schutz, den wir hinter unserer Dreifachverglasung oft gar nicht mehr wahrnehmen.

Offene Arme gibt es von mir nicht, aber meine  Hand. Eine helfend hingestreckte. Um zu tun, statt zu reden. Für die Menschen. Jederzeit. Ehrlich. Auch als Schutz.
Ich bin mir sicher, es gibt wesentlich mehr solcher offenen Hände hier, als Fäuste mit Brandsätzen.

Zeigt euch ruhig! Zeigt eure Hände! Packt mit an!

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4 Antworten zu Mensch!

  1. Damit sprichst du mir echt aus der Seele. 😀

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  2. Sofasophia schreibt:

    Ich danke dir. Das ist eine klare Ansage, eine klare Haltung und eine in meinen Augen gute Einstellung. Die ich teile.
    Liebgrüßt die @_auchICH aka SoSo

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  3. Pingback: #meibestElternblogbeitragdeMo VII | Die Kellerbande mit Herz und Seele

  4. Ich bin vollkommen deiner Ansicht und freue mich, hier wieder neue Denkansätze zu finden … ich gehe grübelnd in den Tag!

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