Sportspiele

Eventuell schlage ich heute mal den Bogen zur gegenwärtigen Diskussion – nein, dem gegenwärtigen Diskussiönchen – bezüglich der Bundesjugendspiele. Zuerst möchte ich aber noch kurz von einem Sportspielfest berichten. Hier auf dem Dorf, mitten im ostfriesischen Nirgendwo. Gut, es geht um  den populären Fußball und ja, es sind hauptsächlich Jungsmannschaften. Mit leider nur ein paar Mädchen dazwischen, Junioren eben. E-Junioren um genau zu sein. Kinder aus den Geburtsjahren 2005 und 2004. Die Mädchen auch etwas älter. Da kann schon mal ein ordentlicher Altersunterschied zu Stande kommen. Unser Sohn spielt natürlich mit. In einem der beiden Heimteams. Klar.

Ich bin mir sehr sicher, dass keines der Kinder aus den insgesamt 48 angetretenen Mannschaften traumatisiert nach Hause fahren wird. Eher im Gegenteil. Dazu komme ich noch.  Zunächst zur Organisation.
Seit Mittwoch ist der hiesige dörfliche Vereinssportplatz zu keinerlei Sport mehr zu gebrauchen. Rasen wurde gestutzt, bewässert und gekreidet. Zelte wurden aufgebaut. Nicht ein oder zwei, wir erinnern: 48 gemeldete Mannschaften, die ersten reisten bereits gestern an. Pavillons, Bierwagen, Grillbude, Pommes, Eis… das volle Programm eben. Um eine ungefähre Zahl zu haben: sechs Spieler, ein Torwart, ein paar Ersatzspieler und meist zwei Betreuer. Pro Team.
Plus Servicemenschen, Brötchenschmierer, Turnierleitung, Grillwurstwender, Eisverkäufer, Schiedsrichter. Also alles in allem gut 600 Mitwirkende.
Zusätzlich noch reichlich Zuschauer, meist Eltern, Großeltern und Geschwister der Spieler. Auch von auswärts, die Holländer natürlich sehr stilsicher mit Wohnwagen. Mehreren. Zwischen den Zelten. Alles auf dem Dorfsportplatz.

Aber bleiben wir mal bei den bummelig 492 aktiven Sportlern (48 Teams mal ungefähr 10,25 Spieler). Viel mehr aktive Sportler dürfte eine durchschnittliche Schule auch nicht freiwillig, und ich betone dieses „freiwillig“ noch einmal besonders, auf eine Tartanbahn locken.
Die Organisation klappt. Läuft nicht immer rund, manchmal auch im extremen oberen Drehzahlbereich, aber es klappt. Bei einem Dorfverein. Dank der Ehrenamtlichen im Verein, der Mütter und Väter, der vielen anderen freiwilligen Helfer.

Es gab ein feierliches Einlaufen der Mannschaften, die Europahymne dazu darf ruhig als gepflegtes Understatement gewertet werden. Auf insgesamt sechs Plätzen gibt es eine Vorrunde, eine Zwischenrunde, eine Platzierungsrunde und eine Endrunde. Ja, dabei werden Mannschaften ausscheiden, so ist das in Turnieren. Vielleicht gibt es darob auch das eine oder andere Tränchen, so ist das mit den Emotionen.

Aber zunächst werden alle noch einmal durch das Dorf pilgern. Gemeinsam. Mit Musik der Feuerwehrspielmänner  und -frauen voran. Gut, mit Fackeln. Auch das wird kein Kind traumatisieren. Das Feuerwerk zum Tagesabschluss ebenso nicht. Es werden also alle Teilnehmer gefeiert, egal ob Endrunde, Zwischenrunde oder Platzierungsrunde. Champions eben, alle.
Und alle werden auch eine Nacht im Mannschaftszelt geschlafen haben. Ihrem Mannschaftszelt. Manche auch zwei Nächte. Die gestern schon von weit angereisten Teams, ihr erinnert?

Ich will nicht behaupten, dass für die Kinder das sportliche Ergebnis durch dieses Begleitprogramm unwichtig wird, aber es rückt eben doch etwas aus dem Mittelpunkt.
Und wer auch beim Elfmeterschießen morgen nicht zu den Besten gehört, der hat vielleicht zumindest Losglück bei der Tombola.
Und selbst wenn nicht, das positive Gesamterlebnis dieses Sportfestes kann niemand mehr einem dieser vierhundertzweiundneunzig  Kinder nehmen. Kein Trauma.

Was hat das alles nun mit diesen Bundesjugendspielen zu tun? Spartakiaden, wie sie zu meiner Schulzeit noch hießen.
Nun, ich sehe und höre von der Tochter, von recht mäßig organisierten, sehr leichtathletiklastigen Tagesevents mit viel Leerlauf, zu wenig Betreuern und recht unmotivierten „Sportlern“. Also eine Veranstaltung, die wohl keinem so richtig Spaß macht. Weder den Sportlern, noch den Orga-Teams, noch den Betreuern. Eine ideologische Verbrämung wie bei den damaligen Spartakiaden entfällt auch.

Also, was soll das noch?

Natürlich ist jede Stunde, die ein Kind beim Sport verbringt, eine gute Stunde. Nur tut das bei diesen Jugendspielen eben kaum ein Kind. Eher eine recht langweilige Tagespflichtveranstaltung mit einem oder vielleicht mehreren  kurzen Bewegungsintervallen. Oder auch keinem, je nachdem wie unmotiviert das eben so abläuft. Kein Erlebnis, oft nur eine miese langweilige Erinnerung. Wenn überhaupt.
Die heraufbeschworene Traumatisierung der teilnehmenden Kinder stelle ich zwar in Frage, aber ja, das kann so weg.

Oder besser: Ja, das gehört geändert.
Besser eingeteilt. Sinnvoller. Die Judoka, die in diesem Jahr bereits ihren nächsten Dan erreicht hat, oder noch erreichen wird, braucht einfach keine weitere Gymnastik. Der Ruderer, der sowieso eine Regatta nach der anderen abrudert … ihr ahnt es schon. Und ja, auch jeder einzelne Teilnehmer an unserem E-Jugend-Turnier hat in den zwei Tagen mehr Schweiß auf  dem Rasen gelassen, als so eine Bundesjugendspielkindstaffel in Training und Wettkampf.

Übergewichtige Kinder sollten in meinen Augen auch besser schwimmen oder Rad fahren, als sich Runde um Runde auf Aschebahnen abzuquälen. Regelmäßig, und mehr als einmal im Jahr. In Neigungsgruppen, in Leistungsgruppen. Auch in den Schulsportstunden.
Und ja, es sollte schon so eine Art Verpflichtung zum Sport geben. Zu welchem auch immer. Bogenschießen würde sicher mehr Interesse wecken, als Geräteturnen. Oder doch lieber Tischtennis? Und vielleicht holt man Vereine und Sponsoren mit ins Boot. Menschen im Ehrenamt oder in Teilzeit. Wie hier, beim alljährlichen Grundschulcup (ja ich weiß, schon wieder Fußball). Man kann so aber auch sicher mal ein anderes Angebot machen. Oder zwei. Nicht nur während der Schulsportstunden.

Sportfeste sollte man in den Schulen sicher trotzdem noch durchführen. Zwangloser. Warum nicht Kanutouren, Funsport wie Human-Kicker oder ein „Spiel ohne Grenzen“ in einer Miniversion? Raus aus dem Klassenraum. Bewegung mit Spaß dabei. Mit einem Sieger oder besser noch, mit vierhundertzweiundneunzig Siegern.

Wenn Sport funktionieren soll, dann muss er zunächst wohl nur eines – Spaß machen.
So wie hier:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Familie, Gedanken, Jogginghose, Kinder, Ostfriesland abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Sportspiele

  1. kinder unlimited schreibt:

    wie wahr !

    Gefällt mir

  2. howtobepapa schreibt:

    Danke das du uns immer wieder teilhaben lässt :) Ich habe einen neuen Blog ins Leben gerufen, magst du mal draufschauen?

    Howtobepapa.wordpress.com

    Ach übrigens, ich folge dir :)

    Lieben Gruß

    Gefällt mir

  3. Beim Sport konnten Schulkinder aber wach werden. Das stört, wenn sie stille Konsumenten werden sollen. STILL SITZEN! Geburtstage vegammelter Komponisten zu wissen, höchste Bergehersagen können (also nach Schulbuch, nicht den höchsten Berg, gemessen vom Erdmittelpunkt, das gibt Ärger).. aber bald dürfen die wenigstens einen durchziehen, in der Raucherecke, die es nie geben durfte. Auf die die Lehrer immer neidisch waren, aber, da man einst da fix Beamter werden konnte…. warum nicht. Und semi- taugliche Edukatoren wurden dann zum Sportunterricht ABGESTELLT, ohne zu wissen, was sie taten. Gut, die Thermoskanne musste mit. Kaffee beim Sport. Verdammt.. wieder eingeteilt,,,, da muss Rum in den Kaffee. Dieser Duft.. kein Schweiß! Anpfiff. Pfeifen. Sportlehrer. Abpfiff. 0:2 gegen Schule/Sport.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.