Hardrockkulturgartenmärkte

XXXFrüh wach werden kann ich ja recht gut. Leise sein dabei, auch. Der Stadt beim Aufwachen zusehen. Schön. Das Röcheln des Wasserkochers sollte reichen, um das Töchterlein zu wecken. Oder eben auch nicht. Kurz vor halb acht bin ich dann vom Oberdeck doch mal in den Bootsrumpf hinabgestiegen und hab den Weckdienst gemacht.  Das Zeitlimit zum Anziehen und schnellen Aufhübschen waren dann die brutzelnden Speckstreifen in der Pfanne. Niemand mag verkohlte Speckstreifen zum Frühstück, auch die Tochter nicht. Auch nicht zum Rührei. Schon gar nicht zum Rührei.
Ein kleines Essen unter Deck, der Sonnenaufgang war schon längst vorbei. Ich zeigte ihr ein paar Bilder davon. Morgen will sie nun eher geweckt werden. Warten wir mal den Tag ab. Ein bisschen frisch und windig war es draußen auch. Und nein, die Bettdecke durfte nicht mit.

Schon gar nicht zum Straßenmarkt. Zeitlich war der Markt am Waterlooplein locker drin, weil er auf dem Weg zum Botanischen Garten liegt. Nicht ganz so groß, wie der Albert-Cuyp-Markt, aber eine gute Stunde kann man auch dort locker leicht vertrödeln. Krams hier, Krims dort. Schauen, schnuppern, knipsen. Ein paar Kleinigkeiten kaufen. Wo hat sie nur das Geld her? Ach ja, aus meiner Geldbörse. Logisch. Entspannt weiterwandern. Einen Kaffee für mich, eine heiße Schokolade für das Kind.

Wunschgemäß zum Hortus Botanicus hier in Amsterdam, einer der ältesten botanischen Gärten der Welt. Kräuter schnuppern, Blüten begucken, Schmetterlinge bestaunen. Speicherkarten vollknipsen. Für ein paar Minuten hatte die Tochter wohl vergessen, dass wir nicht ganz allein dort waren. Im Schmetterlingshaus. Himmel!
Nun ja, Pubertät eben, diese nebulös wabernde Grenze zwischen Kindsein und Erwachsenendasein. Schlimme langwierige Krankheit. Hier war sie dann mal wieder mehr Kind. Schön. Und aufregend.
Zum Mittag hatte sie sich dann auch wieder etwas gefangen. In der Orangerie dort gibt es nicht ganz günstig etwas für zwischen die Kiemen zu schieben. Nichts elegantes, nichts besonderes. Es füllt den Magen etwas und man braucht nicht extra irgendwohin.

Das nächste Ziel war sowieso eher etwas schwere Kost.
Amsterdam beherbergt ja einen Ableger der Eremitage in Leningra… öhem …  St.Petersburg. Die Niederländer nennen es in ihrer Sprache Hermitage. Sicher nicht das berühmteste Kunstmuseum in Amsterdam, aber die Wahl der Tochter fiel nun einmal darauf. Warum es nicht lieber van Gogh oder Rembrandt sein sollte, bleibt wohl ihr Geheimnis. Sei es drum, latschen wir also die fünf Minuten rüber zu diesem Amstelhof und suchen den Eingang.
Leider waren hier in der Ausstellung keine eigenen Fotos erlaubt, allerdings kann man die natürlich kaufen. Die Fotos, nicht die Ausstellung. Oder sich in der Gallery  von denen ein kleines Bild davon machen.
Gut, dass wir dort waren, denn die Totenmaske von Napoleon bekommt man ja auch nicht jeden Tag zu sehen. Wie gesagt, eher schwere Kost.

Nach all der Botanik und Kunst stand nun ein etwas längerer Spaziergang an. Eigentlich nur 15-20 Minuten, aber durch Stehenbleiben hier und „Da kuck mal“ dort, war es dann doch fast eine Dreiviertelstunde, bevor wir das Rijksmuseum erreichten. Ich nehme mich selbst da nicht mal von aus. Irgendwann müssen ja die ganzen Fotos gemacht werden. Und die halben auch.

Mittlerweile war es auch schon deutlich am Nachmittag und die Öffnungszeit nur bis 17:00 Uhr. Nun, wenn wir nun schon mal endlich hier sind, dann gehen wir  natürlich da auch rein. Für fast drei Stunden lohnt das allemal. Es gab kein Fotografierverbot und späte Werke von Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Die Nachtwache ganz nah. Und den alten Vincent Willem van Gogh. Vieles mehr sicher auch noch, zum Aufzählen zu viel. Kurz vor fünf wurde uns dann sehr freundlich, allerdings auch bestimmt gezeigt, wo sich der Ausgang befindet. Na gut, der Garten dort ist auch sehr schön, blieben wir eben da noch etwas hängen. Menschen gucken.

Irgendwann konnte dann auch die Tochter ihr Magenknurren nicht mehr ignorieren und wir orientierten uns in Richtung Abendessen. Das gewünschte Hard Rock Café hatte ich vorher gebucht, und ob der Schlange vor der Tür war das wohl nicht nicht unbedingt nötig, aber man weiß ja nie. So nahmen wir irgendwo zwischen einem Bühnenoutfit von Rihanna, dem “Punisher” Bass  von Gene Simmons und den anderen Touristen reichlich Platz, und dann konnte die Heranwachsende die verbrauchten Kalorien wieder in die Körperzellen pumpen. Ich auch. Und dann natürlich ein T-Shirt. Obligatoisch in dem Alter, denke ich mal. Nicht in meinem Alter.

Voller Bauch studiert nicht gern, und so schlenderten wir noch ein kleines Stück durch den garnichtweiten Vondelpark. So richtig Lust hatte die Erstgeborene aber nicht mehr, zu nichts. Nennen wir es einfach mal… platt. Ja, sie war platt. Auf. Zu nichts mehr zu begeistern. Stehend K.O.! Gegen neun waren wir dann wieder am Hausboot. Na gut, ein wenig ausruhen darf ja auch mal sein. Sagte sie. Die Tochter. Und verschwand in ihren Gemächern
Ich nicht, denn ich tippte ja gerade noch diese Zeilen hier. Bei einer Dose Amstel. Oder zwei. Und lud ein paar bunte Bildchen hoch. Und höre nun wieder den kleinen Wellen des Oudeschans-Kanal zu, wie sie leise gegen die Bordwand gluckern. Die Akkus laden auch.

Ach ja, die Dias. Klick macht … klar.

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