Woonboot

Heute Mittag ging es nun endlich los. Das Vater-Tochter-Wochenende in der Hauptstadt der Niederlande. Seit circa 14 Tagen, 23 Stunden, 4 Minuten und 37 Sekunden redet die Pubertierende ja von nichts anderem mehr. Okay, vielleicht auch ein paar Sekunden weniger. Vielleicht!
Den Reiseführer hat sie wohl auch schon fünfzehneinhalbmal durchgelesen. Mindestens. Niederländische Server mit den unmöglichsten Suchanfragen an den Rand der Leistungsgrenze gebracht. Und immer noch eine dieser schicken Ideen zusätzlich gefunden, was besichtigt, besucht, beguckt, bestaunt werden muss. In 48 Stunden und 10 Minuten. Klar.

Dieses Zeitlimit hat mich vor zwei Wochen bereits veranlasst, ihr eine Fünf-Punkte-Liste aufs Auge zu drücken. Eine lockere Auswahl treffen zu lassen. Auch aus Vorgaben. Meinen Vorgaben. Ein Punkt auch frei wählbar. Als Ausgleich zur Grachtenrundfahrt, die schon von mir gesetzt war. Ohne die geht es in Amsterdam nun mal gar nicht. Zur Zeit liegt das Hard Rock Café ganz weit vorn bei ihr. Nun ja, und Chinatown, und Shopping, und das Foltermuseum und und und…
Meine Tochter! <3

Um die bescheidene Parkplatzsituation und den Park&Ride-Zirkus komplett zu umgehen, brachte uns die Bahn in das Zentrum der Minimetropole an der Amstel. Die Holde war so frei, uns nach Schulschluss der Tochter zum Bahnhof zu kutschieren. Einmal in Groningen umsteigen, einmal in Almere. Alles pünktlich, alles gut. Zwischendurch hab ich ihr diese Amsterdam-Reportage in die Hand gedrückt. Weniger Plapperei. Auch gut.
Die letzte Viertelstunde war sie dann doch wieder recht hibbelig. Die Tochter. Das gab sich aber im Bahnhof Amsterdam-Centraal. Ja, der ist schon bombastisch, wenn man ihn das erste Mal sieht. Musste mich selbst auch erst wieder kurz orientieren.

Knapp 20 Minuten Fußweg, halb durch das Zentrum, an den östlichen Rand des inneren Grachtengürtels. Fahrräder, Puppenstubenhäuschenfassaden links und Puppenstubenhäuschenfassaden rechts. Dazwischen Blümchen und Wasser. Jede Straße ein Anleger. Fast jede Gasse auch. Vermutlich bekomme ich die Tochter hier nicht mehr weg. Trotz des Nieselregens, mit dem uns Amsterdam begrüßte. Nie! Wieder! Weg!

Dann das Woonboot. Das ist nun unsere Unterkunft. Zentrumsnah und ja, eine Kleinigkeit teurer als ein Hotel. Dafür auf dem Wasser, nicht nur am Wasser. Die Tochter gluckste wie die Wellen an der Bordwand vor sich hin, als sie realisierte, dass es wohl wirklich das Hausboot ist, wo wir nun die nächsten zwei Nächte einziehen werden
Tschja, das freut das Vaterherz. Allerdings war das ja auch der Plan. Alo meiner.
Ihr Zimmer. Meine Schlafcouch. Darunter das Wasser. Nespresso-Maschine, nun ja. Bullaugen. WLAN. Auspacken. Läuft. Die Tochter mag nun Woonboote.
Ich auch. Schon immer.

Einkaufen für morgen und übermorgen. Zumindest ein paar Getränke, Frühstücksdingse und Kaffee. Für mich, ihr ist der ja zu bitter. Also, Tee mitnehmen. Für sie.
Albert Heijn ist, als der Stadtteilversorger schlechthin, nur ein paar Gehminuten entfernt. Eine gute halbe Stunde später waren wir wieder auf dem Boot und hatten wahrscheinlich zu viel eingekauft. Wir werden sehen.

Kurz frisch gemacht und ab zur Rundfahrt durch die Grachten. Abends auch sehr schön. Vielleicht sogar noch schöner als bei Nacht, oder gar profan am Tag. Abfahrt war erst gegen 20:30, also fast zur besten Sendezeit, noch vor Sonnenuntergang. Zeit, vorher  etwas durch die Stadt zu bummeln. Den Rotlichtbezirk habe ich ihr um diese Zeit mal ausgespart. Auch die 78 Coffee-Shops. Wer braucht um diese Zeit auch schon Kaffee?

Aber Gassen und Gässchen, Brücken, Grachten und all die kleinen niedlichen Winkel in dieser Stadt. Na gut, einige davon. Das Grinsen ging gar nicht wieder aus ihrem Gesicht. Was Kleines essen zwischendurch. Eis? Nöh, wollte sie nicht. Bratnudeln? Würden sich ja anbieten. Auch im Nieselregen. In Chinatown, natürlich. So was aus dem Wok. Da! Ein Tempel! Sie wird wohl nun Buddhistin. Dann doch lieber Pizza. Na gut.

An Bord gehen. Grachten genießen. Fotos machen. Gucken. Und wahrscheinlich wird die Tochter nun auch mal so ein Skipper. Ein buddhistischer Skipper. Mit einem Hausboot. Oder besser zwei.

Zurückschlendern zum Woonboot. Einen Cheesburger noch. Na klar. Der lange Tag zeigte Wirkung, nicht nur beim Töchterlein. Keine Abendveranstaltung mehr, nur noch duschen und ins Bett. Sie, die sonst kaum das Tagesende findet. Für mich die Zeit, hier ein paar Zeilen reinzutippen und euch einige der aberhundert Fotos hochzuladen. Und eine Dose eiskaltes Amstel zu trinken. Oder auch zwei.
Zeit, dem Wasser an der Bordwand zuzuhören. Kla-Gluck, Kla-Gluck, gluck. Die Akkus für morgen aufladen. Nicht nur die von den Kameras.

Ach ja,  die Fotos. Klickdings macht größer. Klar.

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Eine Antwort zu Woonboot

  1. vivilacht schreibt:

    schoen, diese blaue Stunde hier auf den Bildern

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