Verantwortung

Nun, was macht man nach so einem Abschalten? Nachdem die Kinder dann im Bett sind.
Wenn man morgens wieder aufsteht. Nichts einschaltet. Gut, fast nichts. Die Kaffeemaschine schon, und das Licht. Klar.
Den Laptop im Offlinemodus? Vielleicht. Später dann. Nach der Arbeit, dem Flurfunk. Wenn sich die Seiten im Notizbuch wieder etwas gefüllt haben. Die Playlist durchgelaufen ist. Wenn man die Extrarunde Risiko gegen die Kinder verloren hat. Der Fernseher aus bleibt. Der Alltag trotzdem zur Ruhe kommt.

Nun, zunächst einmal stellt man fest, dass der Himmel gar nicht herunterfällt, wenn mal abschaltet, dass sie sogar ganz gut tut. Diese längere Stille. Kein Dauerzustand, dass weiß ich auch. Geht heutzutage wohl auch nur mit einem komplett anderen Lebensentwurf. Den habe ich aber nicht. Nur meinen. Der reicht mir auch.

Nachdenken kann man dann aber ganz gut. Wenn es etwas länger still ist. Das mediale Grundrauschen abgeschaltet ist. Über Verantwortung zum Beispiel. Verantwortung für sich, für andere. Verantwortung anderer. Für mich, auch. Das kritzelt man dann so hin. Auf Papier. Erstmal.

Einige meiner Mitmenschen haben immer wieder mal diese verrückte Idee, mir Verantwortung zu übertragen. Ich bin dann oft verrückt genug, diese Verantwortung auch anzunehmen. Ja, das ist wohl so ein Gegenseitigkeitsvertrauensding, denke ich mal. Sonst geht es nicht. Verantwortung zu tragen, für Menschen und deren Gesundheit, für Menschenleben, dass muss man auch wollen. Nicht nur können. Im gegenseitigen Vertrauen.

Verantwortung ist unteilbar. Aufgaben kann man abgeben, delegiere. Übernommene Verantwortung eben nicht. Und meine persönliche Verantwortung teile ich auch nicht. Nicht mit anderen Menschen, nicht mit einer Krankheit, nicht mit einem imaginären höheren Wesen. Da gibt es für mich keinerlei Ausreden. Keinen Kompromiss.
Somit bleibt mir auch nicht viel mehr übrig, als meiner Verantwortung eben selbst gerecht zu werden. Nicht selbstgerecht, das ist ein Unterschied. Logisch.

Auf Menschen achten, deren Gesundheit, deren Leben. Auch gegen Widerstände, unter Widrigkeiten. Eine besondere Verantwortung. In meinen Augen.
Auch ein paar besonders besondere Menschen darum bitten, auf mich zu achten. Streng! Auch das gehört dazu, wenn ich Verantwortung trage. Nicht nur wollen, auch können.  In der Lage sein, muss ich dazu. Zum Tragen. Bin ich das nicht, dann geht es nicht. Selbstkritik funktioniert zu oft nicht. Nicht schnell genug. Nicht ausreichend. Schleichend dann auch gar nicht mehr.

Ja, ich übertrage damit anderen Menschen Verantwortung. Für mich, nicht für meine Verantwortung. Lass mich von ihnen … nun … ja … überwachen.  Dazu gehört Vertrauen. Bisher haben diese Menschen diese Verantwortung auch angenommen, hat es funktioniert dieses Gegenseitigkeitsvertrauensding. Diese Menschen wähle ich sehr gut aus. Bedächtig. Mit Vertrauen darf eben nicht herum gespielt werden. Ist recht zerbrechlich.

Bei anderen Menschen auf dieser Welt funktioniert das auch mal nicht so. Das Aufpassen. Aufeinander, gegenseitig. Leider!

Nur die Verantwortung, die bleibt. Unteilbar.


 

Und dann schaltet man auch wieder ein. Ein kurzer Blick auf die Schlagzeilen. Tschja!
Katastrophen, Maut, Terror, Tod, Blackout. Nun, Klickthemen eben. Nur.
Mailprogramm. Blogs. Mal schauen.
Ja, und Twitter auch. Natürlich. Man muss dort ja wirklich nicht alles lesen. Wie auch unter den Schlagzeilen nicht alles klicken.

Im Radio läuft gerade Hells Bells und ich miste nun einen Feedreader mal sehr gründlich aus. Ist ja gerade wieder eingeschaltet.

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