Wurzeln

IMG_1309Nun, es hat schon eine Weile gedauert, bis ich von den altmärkischen Mohrrüben meiner Kindheit, über die Möhren und Karotten des gar nicht mal so güldenen Westens, bis zu den Wurzeln hier in Ostfriesland fand. So nennt man dieses Gemüse, diesen Beta-Carotin-Träger hier nämlich.
Und ja,  vielleicht ist es eine Art Gleichnis. So wie eben die Mohrrüben aus Omas Garten in der Altmark zu Wurzelgemüse auf dem Teller hier im südlichen Ostfriesland wurden, so veränderten sich eben auch meine eigenen Kraftspender, meine eigenen Wurzeln.

Oma war selten zufrieden mit ihrem Mohrrübenbeet. Zu madig, zu holzig, vom Wühlmäusen abgefressen. Der sandige Boden ist Schuld, sagte sie immer. Nun, den haben wir hier eher selten. Den sandigen Boden. Am Strand, sicher, aber dort baut selbst der Ostfriese keine Wurzeln an. Nur Strandhafer.

Ihr seht sicher schon, dass ich die Wurzeln meiner Kindheit und Jugend nicht verdrängt habe, nicht vollständig. Aber mich davon gelöst. Etwas. Neue Mohrübe… öhem … Wurzeln geschlagen. Hier, in den feuchten Klei- und Torfböden. Ich tat das sehr gerne und meine Wurzeln fühlen sich recht wohl bei den wurzelessenden Menschen hier ringsum. Sonst funktioniert es wohl auch nicht. Ohne das gerne.

Ich weiß auch, dass meine Kinder dies in ihrem Leben vielleicht anders machen wollen. Noch sind sie ja eher junges Feingemüse, aber bald eben auch nicht mehr. Dann werde ich sie dabei unterstützen. Sich ihre eigene Rübe zu machen. Wurzeln werden auch sie nicht vergessen.

Ob es nun Möhren, Karotten, Mohrrüben oder Wurzeln, meinetwegen auch Riebli, Carrots, Zanahoria, Wortel oder Carottes werden.
Wenn sie nicht zu lange in der Erde bleiben, schmecken sie doch alle gut.

Edit sagt: »Das vorstehende Geschwurbel habt ihr nur dem Blogideekasten zu verdanken, und nun bitte keine Briefe mehr. Danke!«

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