Helden

„Heldenhaftigkeit ist eine Todesart, keine Lebensart.“

Der Blogideekasten beschäftigt seine Mitschreiberlinge  derzeit mit dem Thema „Helden und Vorbilder“. Das obige Zitat von Gabriel Laub ist immer eins der ersten, die mir in den Sinn kommen, wenn es um Helden geht. Herkömmliche Helden. Freiwillige, oder unfreiwillige. Von den herkömmlichen Helden habe ich mich schon vor einiger Zeit verabschiedet. Auch von den Helden meiner Kindheit. Irgendwie. Irgendwann.
Der Finn und der Sawyer, Wickie, Captain Future, der Lederstrumpf, Fogg, Pan, Papa Schlumpf, Harka und auch das kleine Mädchen mit den markanten Zöpfen in dem kunterbunten Haus. Fiktive Figuren, die sicher zu ihrer Zeit eine Botschaft transportierten, die auch zumindest in Teilen bei mir angekommen ist. Behaupte ich zumindest. Lange her, das Alter … ihr wisst ja.

Wenn ich heute einen Helden beschreiben müsste, benennen gar, dann wäre es wohl ein sogenannter Held des Alltags. Die Krankenschwester, die im Jahr zig Menschen sterben sieht und trotzdem den todkranken Menschen auf ihrer Station noch glaubhaft Zuversicht vorspielt. Der Mensch, der bei Sturm und Gewitter dafür sorgt, dass der kaputte Stromverteiler schnell instandgesetzt wird, damit die Menschen wieder ihre 220Volt auf den Steckdosen haben und die Fritzbox wieder ihr Signal im Haus verteilt. Die Briefträgerin, der Bäcker, der Telefonist im Servicecenter, wo immer wieder mal so Leute wie wir anrufen. Ihr kennt bestimmt alle so jemanden, da bin ich mir ganz sicher. Klar üben alle diese Menschen eventuell einfach nur ihren Beruf aus, auch wenn dieser Beruf manchmal für sie wohl eine Art Berufung darstellt. Darstellen muss, weil es sonst gar nicht ginge. Aber die Art und Weise, wie sie dies Tag für Tag und Woche um Woche tun, dass ist für mich eher heldenhaft, als irgendwelche heroischen Einzeltaten.

Vorbilder sind sie deswegen für mich nun nicht unbedingt. Eben weil es der Beruf, die Berufung gar, ist. Diese Menschen darin aufgehen. Mehr oder weniger, aber aufgehen. Nicht wie ein Hefeteig, sondern … ach, ihr wisst schon. Ich gehe eher in anderen  Dingen auf, als der Telefonist.

Aber es gibt diese Vorbilder für mich durchaus. Menschen, deren Art und Weise zu leben ich für so beeindruckend befand und befinde, dass ich einiges davon wohl auch übernommen habe. Zumindest kleine Teile davon. Okay, zumeist nur Teile davon. Winzige Teile manchmal nur. Manchmal hab ich es auch nur versucht, und festgestellt, dass es mir eben nicht entspricht.

Mein Opa war so ein Mensch. Ein sehr patenter Mensch, mit Anstand. Viel Anstand! Das füllt in der heutigen Zeit wohl schon mindestens noch einen eigenen Blogpost. Also der gelebte Anstand, nicht der Opa. Ich werde wohl mal darauf zurückkommen.

Meine Eltern haben ebenfalls versucht,  immer auch ein Stück weit Vorbild zu sein. Für ihre Kinder zumindest. So wie ich es, zumindest unterschwellig, ja auch für die eigenen Kinder versuche. Selbst Dinge vorlebe, die dann vielleicht zumindest zum Teil übernommen und weitergelebt werden. Wenn es in das Leben meiner Kinder passt. Wenn nicht, dann eben nicht.

Vielleicht kann man so seine eigenen Vorbilder besser begreifen. Ihnen besser gerecht werden. Man muss, man darf sogar, sie eben nicht einfach nur abkupfern, sondern sollte sie  für sein eigenes Leben sinnvoll adaptieren. Im Idealfall die Denke und das Tun der Vorbilder in sein eigenes Leben integrieren. Auch, und gerade nur in Teilen. Selbst in winzigen Teilen.
Oder, um es mit den Worten von Bruce Lee zu sagen:

„Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein Eigenes ist.“

So kann, in meinen Augen, wohl eine sinnvolle Entwicklung stattfinden, und mehr möchte ich dem dann auch  gar nicht mehr hinzufügen.

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Eine Antwort zu Helden

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