Buch

Nun wurde also von einer … tschja … Firma? Konsortium? … so etwas in der Art … Konsorten eben, die sich mit abgekupferten Tweets auf Sprüchebildchen  seit  geraumer Zeit schon in diesem Gesichtsbuchnetzwerk live und heldenhaft hervortun, ein Buch veröffentlicht.
Also kein richtiges Buch, so ein Tweetbuch eben. Keine Geschichte, kein Sachbuch, kein Fotoband. Nur Tweets. Dieses maximal 140 Zeichen lange Geschwurbel in dem anderen sozialisierenden Netzwerk da, dem Kurznachrichtendienst «Muahaha» Twitter.

Mitunter sonder ich da ja auch mal ein paar Wörter ab. Ich kann auch nicht wirklich behaupten, dass meine Tweets eine bestimmte Schöpfungshöhe hätten. Ich schöpfe da ja auch nicht, sondern tippe die Tweets einfach. Mit Rechtschraib- und Tpipfehlern, fehlenden Kommas,,, oder vergessenen Satzzeichen. Oftmals wohl trotzdem lesbar

Ob und wie ich das persönlich einschätze, tut allerdings im Falle des oben angesprochenen Unbuches nichts zur Sache. Hier wird sich an mehr oder weniger hochgeistigen Ergüssen bedient. Einfach so, ohne zu fragen.
Auch nicht, um mal eben auf dem Pausenhof, in der Halbstarkenphilosophenecke, bei der langbeinigen Blonden mit den riesengroßen Augen steil aus der Kurve zu kommen. Nein, da steckt wohl ein ganz ernsthaftes kommerzielles Interesse dahinter. Fast einen Zehner für das Machwerk zu verlangen, ist schon recht unanständig. Die angegebene diffuse Spende an verarmte Ärzte (oder so ähnlich) glaubt wohl auch kaum jemand. „Charity-Buch“ klingt schon sehr vertrauenerweckend. Oder eben auch nicht.

Auch die Twitterer in den eingesammelten Tweets nicht zu erwähnen, ist schon nicht mehr nur keck, sondern zumindest hart an der Verletzung von Rechten dieser Menschen hinter dem Account. Wie gesagt, die Schöpfungshöhe. Hier werden die Meinungen auseinander gehen. Und das ist dann wohl auch des Pudels Kern.*

Jeder und Jede empfindet das eben anders. Da hätte eine freundliche Nachfrage sicher geholfen. Dies kann ja bei den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten kein wirklicher Gewaltakt sein. Einige hätten sich das sicher grundsätzlich und für alle Ewigkeit verbeten, einige hätten vielleicht Kohle sehen wollen, andere nur eine Erwähnung des Twitternicks auf dem Einband. Oder den Namen des Opas, von dem sie den Spruch hatten. Manchen wäre es sicherlich auch schlichtweg völlig egal gewesen. Aber vielleicht hätten ja einige zumindest geantwortet.
Durch simples Nachfragen leicht herauszufinden. Völlig unabhängig von gefühlten oder tatsächlichen Schöpfungshöhen. Denke ich mal.

Nun sammelt sich der zu erwartende Shitstorm eben in den Rezensionen. Natürlich wird da bewertet, ohne auch nur einen Blick in den Unfug hineingeworfen zu haben. Wozu auch, steht ja alles im Netz. Bei Twitter.
Damit dürfte sich dieses dubiose „Geschäftsmodell“ zwar noch nicht ganz erledigt haben. Sondern es bleibt nun zu hoffen, dass die potentiellen Käufer diese Rezensionen auch lesen und verstehen. Sich dann entsprechend selbst ein hübsches Fotobuch aus Screenshots ihrer Lieblingstweets zusammenklickern. Kostet ja dann auch nur einen Zehner.

Oder man verlässt sich vielleicht auch gar nicht erst auf die ominöse ausgelobte „Spende der Honorarerlöse“, sondern überweist den Zehner gleich vollständig an Ärzte der Welt weil man eben denkt, dass die Kohle da gut aufgehoben ist. Besser als beim Herausgeber dieses Murkswerkes meiner Meinung nach in jedem Fall.

 

*frei nach Goethe irgendwo im Faust

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7 Antworten zu Buch

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  4. Pingback: Kommerzieller Tweetklau ist Gedankenhehlerei

  5. darksun666 schreibt:

    Hat dies auf darksun666 rebloggt.

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  6. Zwetschgenmann schreibt:

    Ich hoffe nicht, dass es Twitterer gibt, die vor Neugier brennen und den Sch… auch noch kaufen, um zu schauen, ob auch von ihnen ein Tweet drin ist. Und vielleicht sich am Ende sogar noch was darauf einbilden.
    Vielleicht sollte „Made My Day“ (man beachte dabei den Namensbestandteil Made. Die ernähren sich auch nur vom Fleisch anderer…) als Nächstes einfach Blogs plündern und zu einem Buch verwursten?

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  7. Hat dies auf ndblckmlk rebloggt und kommentierte:
    Herr Ickemich hat auch was zu ‚Made my day’/’Ruined my day‘ zu sagen:

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