Hausarbeit

‚Hausarbeit‘, das dieswöchige Wochenthema im #fotoprojekt2014 in meinem Twitter. Und sicher nicht nur in meinem.
Die Auslosung wurde mit dem … ja was eigentlich? Dem Wunsch? Der Befürchtung? Der Erwartung? Der Bitte? … eröffnet, dass nun wohl mal besonders auf die Männer … ja was denn? … geschaut? wird.  Mit Spannung, Spiel und Schokolade.
Bricht hier dann doch wieder ein altes und doch längst wegfeminisiert geglaubtes Rollenbild durch? Spannung worauf? Passen Männer und Hausarbeit wirklich so wenig zusammen, wie Frauen und Schlagbohrmaschinenrückwärtseinparken? So wenig, wie ein Papst nach Wacken, wie ein Pferd auf den Flur?

Nun, bei mir daheim tut sich die Holde tatsächlich schwerer damit, ein Regal an die Wand zu dübeln, als es mir schwerfällt, die Böden aufzuwischen. Gut, meinetwegen auch die Fenster porentief zu reinigen, ein Hemd zu bügeln, oder einen Knopf anzunähen.

Okay, den Bügelkram würde ich dann doch gerne outsourcen, streicht das bitte gedanklich.

Aber sonst sehe ich da kein wirkliches Problem, nichts wo man einen komplizierten Ablaufplan für braucht. Es kostet noch nicht einmal besonders viel Zeit. Diese Hausarbeit. Heutzutage.
Vieles in dieser … nun ja … Arbeit funktioniert ja mittlerweile maschinell und oft automagisch. Mit Elektriktrick und so. Also, Wäsche, Geschirr, Heizung und solcher Krams. Vorgekochtes Essen in der Mikrowelle aufwärmen, ist nun wirklich einfach und schnell, oder so ein Kirschkernkissen. Selbst vorgekocht natürlich. Das Essen, nicht das Kissen.

Nein, ich rede hier nicht wie der Blinde von der Farbe, sondern hatte die Situation durchaus schon. Die Frau lag wochenlang mit dem Sohn im Bauch im Krankenhaus, die Tochter war damals noch im Kindergartenalter und der Arbeitgeber machte glücklicherweise ein hochkompliziertes Rechenspiel aus Überstundenabbau, Zusatzurlaub und gleichzeitigem Überstundenwiederaufbau mit. So konnte ich für volles Gehalt quasi halbtags arbeiten. Ein paar Wochen lang. Und jaaa, das war stressig. Aber nicht diese Hausarbeit, die war nicht stressig.

Sorry liebe Auschließlichhausfrauen, aber richtig stressig war es eigentlich nur im Job. In der Hälfte der Zeit auch wirklich nur die Hälfte der Arbeit zu machen. Viel mehr geht da eben nicht, logisch. Auch wenn es gern und oft von anderen erwartet wird.
Die Tochter musste rechtzeitig in der Kita sein. Jo, halb acht. Also Ausschlafen für mich, kein Stress. Und wieder rechtzeitig abgeholt werden musste das Kind auch. Logisch! Dann die Holde im Krankenhaus besuchen? Klar, täglich. Bisher kein wirklicher Stress. Ein wenig Plan, klar. Immer etwas Puffer einplanen, damit die Viereinhalbjährige auch Zeit für ein bisschen nörgeln, herumbummeln, bocken, fasziniert am Wegesrand einen Käfer beobachten und ähnliche Dinge hatte. Sich im Auto dann Löcher in den Bauch fragen lassen. Auch toll! Aber doch kein Stress.
Einkaufen, okay das musste richtig vorbereitet sein. Ohne Liste gehe ich da nicht mehr hin.

Und sonst? Hauptsächlich warten. Warten, dass Maschinen ihre Arbeit tun. Krams umräumen, wieder warten. Zeit, um mit dem Töchterchen zu spielen. Zwischendurch mal eine der Maschinen über den Boden schubsen. Am Abend vorkochen für den nächsten Tag. Kind ins Bett. Fertsch. Bildschirmmaschine an, Bier auf.
Aber nur eins! Meist war dann nochmal Monster theatralisch aus dem Zimmer weisen angesagt. Aufpassen, dass sich das kleine Mädchen dabei nicht scheckig lacht und wieder aufdreht. Das war dann einmal doch etwas Stress. Nicht wieder machen. Tschja, und schon war so ein Tag auch wieder um.
Nun, ich hatte keine Zeit für einen Yogakurs, oder ein paar Pilates-Stunden. Wäre wohl sicher lustig gewesen.
Wäre!

Mögen wohl nicht alle Männer so hinbekommen,  zumindest nicht gleich. Mein Opa hatte da ganz klar mehr Probleme, als mein Vater oder ich. Er ist ja auch in einem gänzlich anderen Rollenbild aufgewachsen. Oma übrigens auch. Mit den Jahren, in denen Oma dann immer mehr körperlich und geistig abbaute, bekam er es aber irgendwann auch ohne Hilfe immer besser hin. Diesen Haushalt mit seiner Arbeit. Auch als Klempner.

Auch die Holde jammert ja eher mal über die katastrophalen Hausaufgabendingse der Kinder, als über das Ausräumen des Geschirrspülers, oder das Tischabwischen.
Wenn sie denn überhaupt mal jammert.

Also kein Rollenbild? Nicht mehr. Denke ich mal. Wenn, ja wenn sich denn mehr Frauen endlich mal  des Öfteren auch mit diesen Schlagbohrmaschinen beschäftigen würden. Zumindest sollte mein bescheidener Beitrag zur aktuellwöchentlichen Hausarbeitsfotoshow wohl „männlich“ genug sein.

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3 Antworten zu Hausarbeit

  1. sugar4all schreibt:

    Zumindest nennt es sich HausARBEIT und diverse Maschinen zu befüllen, sind sicher nicht der Stressfaktor. Es ist wohl die Zeit, die man sich nehmen MUSS und das stresst, weil wer will die wenige Freizeit mit Hausarbeit teilen. ;-) !
    Ebenso finde ich, steht auf einer Bohrmaschine nicht „MANN“ darauf, genauso wenig wie auf einem Bügeleisen „FRAU“. So sehe ich es, wenn ich Löcher in die Mauer bohre… ;-) !!!

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  2. Westsideblogger schreibt:

    Nicht Plan, Gelassenheit nennt sich die Formel zum Glück. Bei allem und vornehmlich beim Rollenbild ;-)

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