Denkmal

„Denk mal!“, hatte ich vor einiger Zeit als Wochenthema für das #fotoprojekt 2014 bei/auf/in Twitter  vorgeschlagen. Doppeldeutig? Nun, vielleicht! Aber dann doch eher nicht.
Ein Denkmal wird ja in der Regel zur Erinnerung errichtet, soll zum Denken animieren. Denk mal, eben.
Zum Rückbesinnen, und als Anstoß für die Gestaltung der Zukunft. Ein Ort des Gedenkens und Denkens, und ebenso Gedächtnisstütze.
Jeder sieht das sicherlich etwas anders. Der eine oder die andere wird den sogenannten Kriegerdenkmälern zum Beispiel eher sehr kritisch gegenüber stehen. Heldengedenkkrams. Andererseits sind diese auch ein Ort des Gedenkens. Für die, die noch sind. An die, die dort geblieben sind. Im Krieg. Meist irgendwo in einem fernen Land ganz unheldenhaft verscharrt, wenn überhaupt. »Selbst schuld!« sagen nun sicher einige. Mag sein, von Fall zu Fall. Ich denke, das sollte man nicht pauschalisieren. Die Menschen hinter den abertausenden Namen auf den polierten Platten des ‚Vietnam Veterans Memorial‘ in Washington D.C.? Alle selbst schuld?
Die Interessen irgendeines Systems haben die dort sicherlich nicht alle vertreten. War es nicht oft auch einfach nur der Wille zu leben, besser zu leben, der sie das propagandistisch heruntergespielte Risiko eingehen ließen?  Oder Abenteuerlust? Patriotismus mag bei einigen auch dabei gewesen sein. Auch Sadisten gingen wohl nach Vietnam, aber ich bin überzeugt, nicht ausschließlich. Sicher kontrovers diskutierbar. Abendfüllend, wochenlang, monatelang. Ein Mahnmal sind die Dinger aber allemal.

Glücklicherweise sind Kriegerdenkmale und „Heldenstatuen“ nicht die einzigen Male, die uns mal denken lassen sollten. Dichter und Denker haben wir ja auch überall im Land. Große Töchter und Söhne in fast jeder Stadt. Erfinder, Künstler oder andere Menschen, die etwas hinterlassen haben. Mal jüngeren Datums, mal schon etwas älter. Alle wohl ebenfalls kontrovers diskutierbar auf irgendeinem Sektor ihres Lebens, wenn man das denn unbedingt will. Selbst den Bremer Stadtmusikanten könnte man die ein oder andere politische Inkorrektheit unterstellen, wenn man dies denn will.
Am besten beginnen jene damit, welche sich sehr sicher sind, dass ihre eigene Weste auch in 200-300 Jahren von den dann lebenden Menschen noch als lupenrein sauber angesehen wird. Kann keiner? Dachte ich mir.

Viele dieser Denkmäler werden meines Erachtens auch kaum noch wahrgenommen. Die Zeit, die man mit den Gedanken an die alltäglich vorhandenen Denkmäler verbringt, ist  doch eher kurz. Geht mir zumindest so. Und selbst wenn sich damit dann mal jemand beschäftigt, dann wird oft darüber nachgedacht, ob und wie man es abschaffen kann, oder auch wie man den weiteren Unterhalt bezahlen soll. Und vor allem wer.
Ob man vielleicht gar eine Art „Gegendenkmal“ braucht, weil gerade wieder mal eine Diskussion ob der Vergangenheit aufflammt.
Aber schlussendlich sind all diese errichteten Denkmäler doch auch Ausdruck unserer Geschichte und unser Umgang mit ihnen wird auch zum Ausdruck unserer Kultur.
Kann man ja mal drüber nachdenken.

Etwas anderes sind da schon die zumeist … nun ja … eher zufällig entstandenen Baudenkmäler. Der Kölner Dom, oder das Ulmer Münster. Der Fernsehturm in Berlin oder das Uenglinger Tor in Stendal.
Jede Stadt hat da sicher die eine oder andere bauliche  Errungenschaft aus der Vergangenheit zu bieten, mehr oder weniger gut erhalten. Etwas, was vielleicht als Wahrzeichen der Stadt oder des Dorfes dient, oder diente. Meist etwas irgendetwas technisches, aber sicher auch mal ein Prunkbau aus vergangenen Dynastien. Auch manchmal strittig, vor allem, wenn es um die Bezahlung der laufenden Kosten geht.
So mancher Immobilienbesitzer kann sicherlich ob der Kosten des Denkmalschutzes ein gar nicht so munteres Liedchen pfeifen. Ist eben nicht billig zu haben, so ein Denkmal. So ein Baudenkmal.

Günstiger sind da schon so Naturdenkmale. Die stehen da einfach rum, wie so eine Bastei, oder liegen auch rum, wie so ein Wattenmeer. Naturerbe, Naturdenkmal. Auch hier lohnt sich das Nachdenken über das warum und wieso bisweilen, da gerade diese Steine, Eichen, Blutbuchen oder was auch immer einen etwas älteren Ursprung haben, als die üblichen Plätze, die man so gemeinhin als Denkmal bezeichnet werden. Nicht jeder Baum, nicht jeder Stein, nicht jeder Quadratmeter Schlamm ist gleich ein Denkmal, aber ich denke, es kann jederzeit als ein solches dienen. Für jeden. Kostenlos.
Zum Ruhe finden, zum Rückbesinnen und  zum Vorwärtsschauen.

Also, denkt mal!

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Eine Antwort zu Denkmal

  1. Westsideblogger schreibt:

    Hat dies auf WSB rebloggt und kommentierte:
    Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Text ist ein „Denk mal!“

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