Egoisten

„Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben.“
Diesen Satz sagt man sich selbst wahrscheinlich eher selten. Zu selten sicherlich. Ehrlicherweise wohl kaum. Ist ja auch nicht besonders sozial. Eher sogar verdammt selbstbezogen. Egoistisch geradezu. Asozial.
Andere sind doch wichtig im Leben. Die ‚wichtigen Personen‘ im Leben halt. Immer!
Die eigene Person in das Zentrum seiner Aufmerksamkeit zu stellen, hat etwas befremdliches in unserer, doch sehr mit quasichristlichen Werten durchsetzten, Gesellschaft. Aber ist es das? Ist es wirklich so anrüchig, sich selbst wichtig, sogar sehr wichtig zu nehmen? Vielleicht sogar am wichtigsten?
Ich möchte hier sicher nicht die Bibel zerlegen, oder ein anderes Religionsheftchen, aber doch dieses Nächstenliebedings für mich mal etwas anders formulieren.
„Liebe Deinen Nächsten allerhöchstens wie Dich selbst, und auch nur vielleicht.“

Ich denke, es hat schon mit einer ganzen Menge Verantwortung zu tun, wenn man auf sich selbst achtet. Richtig achtet. Wenn man eben gerade sich selbst wichtig nimmt. Sich selbst Aufmerksamkeit schenkt. Nicht nur einmal im Jahr, oder wenn der Körper wieder herumzippt. Nein dauernd sollte man dies tun. Zumindest unterschwellig. Denn nur, wenn man sich selbst wichtig, sogar am wichtigsten ist, kümmert man sich um das Wesentliche. Um sich selbst. Und ja, ich meine auch, dass ich damit sehr wohl eine große Verantwortung übernehme. Für mich selbst. Ich bin  ja schließlich kein Pappenstiel.
Nur so kann ich mich selbst auch bejahen. Oder mich eben in die Richtung ändern, mit der ich leben kann, und mich eben dann bejahen.

Andere Menschen können wir ja nicht wirklich ändern. Ihnen helfen, sich selbst zu ändern, natürlich. Aber effektiv von außen ändern wird eher nicht funktionieren. Den einzigen Menschen, den wir wirklich und nachhaltig ändern können, sind wir selbst. Und auch nur wir können das, kein anderer. Wenn wir das denn wollen, und wenn wir uns selbst wichtig genug sind. Manchmal ist uns dies wohl nicht so recht bewusst.

Hat dies nun etwas mit so einer Art egoistischer und asozialer Ellenbogengesellschaft zu tun? Es scheint wohl ein wenig so. Wenn jeder an sich selbst denkt, wurde an alle gedacht. Das reicht ja dann. Fertig. Jo.

Ich denke, nein. Nicht ganz zumindest. Selbstverständlich sollten eigene Werte wie Achtung und Respekt auch gegenüber anderen Menschen gelten. Für ein Zusammenleben ganz sicher unverzichtbar. Aber dieser Anspruch auf Anstand muss eben auch und zuerst gegenüber uns selbst gelten. Wie will ich etwas achten, wenn ich mich selbst nicht achte? Wie etwas respektieren, wenn  ich schon respektlos mit mir selbst umgehe?
Herdentier und Sippe hin oder her.

Nein, mit einem Ellenbogenverhalten hat dies sicher nichts zu tun. Eher damit, nicht in ein Aufopferungsverhalten abzugleiten. Damit dürfte im Endeffekt nämlich niemandem geholfen sein.
„… legen sie zuerst die eigene Sauerstoffmaske an und helfen sie dann Kindern und anderen …“ Manche von euch kennen das sicherlich, haben das schon mal gehört oder gelesen. Ist schon was dran, näch? Jo, logisch!

Wirklich egoistisch wäre es, um seiner selbst willen gegen andere vorzugehen. Ihnen zu schaden, keinen Respekt, keine Achtung vor ihnen zu haben. Dem Sitznachbarn die Sauerstoffmaske zu entreißen, um mal in dem Bild zu bleiben, nur damit man dann zwei davon hat.

Sein eigener Körper und sein eigener Geist, sind  wohl das Wichtigste, worum ein Mensch sich kümmern kann. Täglich, stündlich, dauerhaft.

Also, bleibt euch ruhig selbst wichtig, denn

„Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben.“

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9 Antworten zu Egoisten

  1. Pingback: Linksammlung | ickemich

  2. Fabienne schreibt:

    WEnn man sagt „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ dann setzt dies m.E. auch voraus, dass man sich selbst liebt. Wenn Selbstliebe verwerflich und zu verstecken ist, kann ich auch nie aufrichtig und ehrlich meinen nächsten lieben. Wenn ich mich immer hinter anderen zurückstelle, weil ich eben nicht der egoistische Mensch sein kann, der sich selbst UND andere liebt, der muss ja auch andere Gefühle vor die Liebe gegenüber dem Nächsten stellen. Oder so.

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  3. killefitz schreibt:

    Hat dies auf killefitz rebloggt.

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  4. sugar4all schreibt:

    Ausgesprochen gut geschrieben! Egoismus aus dieser von dir beschriebenen Sichtweise zu sehen, hat einen ganz anderen Wert bekommen….einen lebenswerten!

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  5. sachsenmartin schreibt:

    Hat dies auf sachsenmartin rebloggt und kommentierte:
    Auch wenn man immer auf andere achten sollte, so ist man selbst doch der wichtigste Mensch. Wahre Worte.

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  6. Westsideblogger schreibt:

    Hat dies auf WestSideBlogger rebloggt und kommentierte:
    Nur wer gelernt hat auf sich zu achten, kann andere Menschen achten, beachten und unterstützen. Es ist eine Art mit sich selber im Reinen zu sein. Dazu gehört mit unter auch Mut zur Selbsterkenntnis. Also, eine nicht ganz triviale Sache.

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  7. Tasha schreibt:

    Hat dies auf Worte wie Herzschlaege rebloggt.

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  8. thewildflower72 schreibt:

    Hat dies auf wildflower rebloggt.

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