Computer

Lange ist es her, dass ich zum ersten Mal an einem dieser Rechenknechte saß. Die Telefone hatten zu dieser Zeit oft noch eine Fingerlochscheibe, besser bekannt als Wählscheibe, und unterwegs telefonierte man mit Geräten, die neben der Wählscheibe zusätzlich einen Münzeinwurf hatten. In so gelben Metallbuden waren die oft eingebaut. Damit man nicht nass wurde, beim Telefonieren.

Die Kleincomputer in der demokratischen der beiden damaligen deutschen Republiken kürzten sich „KC“ ab. Für Kleincomputer, logisch! In der Baureihe KC 85/1 und KC 85/2-4, aus dem Jahr 1985 und folgende, auch logisch. Die Baureihe KC87 war dann zu meinem Lehrbeginn 1988 die gerade aktuelle. Einen KC89 oder gar  KC90 gab es dann aus hinlänglich bekannten Gründen nicht mehr. Aber BASIC, BASIC konnten sie alle von Haus aus, die KCs. Die stümperhaften Versuche von uns Berufsschülern und angehenden Abiturienten eine Sinusfunktion in klötzchengraphischer Manier darzustellen, bannte der damalige Informatiklehrer auf Floppydisk, also auf eine der fünf Floppys, die er zur Verfügung hatte. Altwerke der vorhergehenden Lehrjahre mussten da durchaus mal weichen. Speicherplatz kostete damals eben noch richtig Geld. Dafür konnten die Kleincomputer wenigstens schon bunt. Zumindest, wenn man einen Farbfernseher als Monitor zum Anschließen hatte.

Der Robotron PC, das Standardmodell nannte man, wohl eher nicht nach dem Baujahr „PC 1715“, konnte hauptsächlich nur grün auf schwarz. Dafür war der  Grünmonitor aber schon dabei. Schwarz auf schwarz konnte er auch noch, aber nur wenn er nicht eingeschaltet war.
An diesem PC gab es dann auch so etwas wie eine Textverarbeitung. Das hei
ßt, man konnte seinen mühsam getippten Text auf eine zweite Floppy speichern -von der ersten lief ja schon das System- oder sogar ausdrucken. Wenn denn noch Farbband im Nadeldrucker war, und Endlospapier. So endlos war das Papier damals nämlich auch nicht.
Assembler wurde uns beigebracht, auf dem PC 1715, und Pascal. Die Wende verhinderte dann zuverl
ässig, dass wir uns auch noch mit Fortran hätten herum quälen müssen. Der Schwerpunkt lag dann nur noch auf BASIC und Pascal/TurboPascal. Erschien wohl den Lehrern etwas zukunftssicherer. Nun ja.

Wie es so ist mit Sprachen, die man nicht mehr spricht, schreibt, denkt, hört, träumt – man vergisst sie langsam, aber sicher. Sehr sicher sogar. Keine Ahnung, wie ich so einem Elektrodeppen heute noch etwas in Maschinensprache erzählen sollte. Das klappte schon bei meinem ersten eigenen Rechner (C64 im Bundle mit Datasette und Joystick, vom Begrüßungsgeld und einer kleinen großväterlichen Finanzspritze) nicht mehr so recht. Wozu auch, man hatte ja genügend Software auf den Kassetten und irgendeinen Kumpel mit einem Doppelkassettendeck auch.

Ach ja, für die jüngeren Mitleser: Kassetten waren so etwas ähnliches wie mp3, nur größer, eckiger und zum Umdrehen. Also, man konnte sie zumindest auch kopieren.

Der erste „richtige“ PC dann, ein  Intel Celeron Notebook, 433MHz CPU-Takt, 32MB RAM und 4GB Festplatte. Das war damals schon die obere Mittelklasse und schlug mit knapp 4000 Deutschen Mark zu Buche. Also, in Euro etwa 5527,08. Dafür wurde ein externer CD-Brenner mitgeliefert. Über den Parallelanschluss konnte man … Okay, kennt auch kaum noch jemand.

Niemand würde sich heute auch nur ein Mobilfunktelefon mit einer solch mageren Ausstattung zulegen. Schon gleich gar nicht zu dem Preis. Wohl nicht einmal einen Fernseher oder Kühlschrank. Vor nicht ganz 20 Jahren begann man nun mit solcherlei Ausstattung Probleme zu lösen, die es ohne den Elektroschrott wohl gar nicht gäbe. Und man begann sich damit zu vernetzen. Nicht mehr über Akustikkoppler, sondern schon über einen Modulator/Demodulator. Kurz nannte man dies Modem. Gibt es heute auch noch überall, irgendwo in den Endgeräten verbaut, weiß nur kaum noch jemand.

BTX, Mailboxen, das Usenet, das World Wide Web, das Web 2.0 und nun sitze ich hier mit meinen bescheidenen Kenntnissen in HTML und CSS, meinen paar Brocken C+ und dem was von BASIC hängen geblieben ist.

Ich bin gespannt, was in 20 Jahren ist. Ob die Entwicklung weiter in dieser doch recht rasanten Geschwindigkeit durch unser Leben zischt. Ob es irgendwann ein Ende, oder zumindest eine merkliche Verlangsamung dieser Entwicklung gibt. Ob es noch einfacher wird, ohne jedwede Ahnung von der Funktionsweise, diese ganzen Siliziummonster zu bedienen.

Die Jüngeren werden damit sicher lernen, umzugehen. Nebenbei.
Die
Älteren dürfen zwischendurch auch ruhig mal in der Erinnerung schwelgen.
So wie ich heute. Ganz kurz nur.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeit, Ausbildung, Gedanken, Herbst, Jogginghose veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Computer

  1. Westsideblogger schreibt:

    Hat dies auf WestSideBlogger rebloggt und kommentierte:
    C64, Schneider Spektrum, Datasette und Guru Meditation sind auch so Dinge, an die ich mich gerne erinnere. Wie viele Jahre uns nun schon so ein Rechenknecht begleitet… unglaublich eigentlich.

    Gefällt 1 Person

  2. sugar4all schreibt:

    Ich schwelge in Erinnerung an meine damalige Faszination zum Telefax! Aber zumindest gibt es dieses Gerät auch heute noch ;-) !!

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.