Rebellen

Jeder Mensch ist ja anders, und in so vielen Dingen doch gleich.
Nein, ich denke nicht, dass Mann und Frau gleich sind. Das ist auch gut so! Wer etwas anderes behauptet, hat leider in Biologie nicht aufgepasst, damals. Im Leben auch nicht, heute.
Kinder und Erwachsene sind ja auch nicht gleich. Schade!
Kunstlederjackenträger haben auch nicht automatisch immer recht. Wäre ja auch noch schöner. Habe ich schließlich  auch nicht. Genauso wenig wie ein Veganer, die Muslima, der Roma, der Metaller, die Rosapinkglitzertussi oder der lachende weiße Wal. Und alle anderen, die es da draußen noch so gibt.
Sicherlich, Menschen sind äußerlich und innerlich schon unterschiedlich. Manche zeigen dies dann leider auch noch besonders.

Den allgemeinen Regeln des Lebens, der Gesellschaft, der Natur, denen sind wir alle dann doch gleich unterworfen. Stündlich, minütlich, pikosekündlich. Und die gibt es nun mal. Die Regeln. Selbst unser tägliches Denken und Handeln folgt ja einem recht einfachen Regelwerk. Grundsätzlich zumindest.
Erkennen, beurteilen, planen und entschließen, umsetzen, kontrollieren. Machen wir während jeder Ampelphase. Glaubt ihr nicht? Denkt mal drüber nach, dann seid ihr nämlich schon mittendrin, in diesem Muster. Dieser Norm. Dürfte allerdings bei jedem unterschiedlich lange dauern. Jeder dieser einzelnen Schritte. Natürlich, und das ist auch gut.

Und dann sieht man sie, die Rebellen. Die, die dann eben bei Rot über die Straße latschen. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten. Nein, eher weil sie ja so cool und so anti sind. Diejenigen, die erst beurteilen und danach erkennen. Manchmal auch nur verurteilen, ohne hinzuschauen. Sich entschließen, ohne Plan. Und manchmal auch ohne Umsetzung. Ohne Kontrolle selbstverständlich schon von Haus aus, aber das wäre schon wieder ein anderes Thema.
In den sozialisierenden Netzwerken und auch im wirklichen Leben sieht man sie. Diese rebellischen Rebellen. Immer mal wieder. In letzter Zeit Immer öfter, wie mir scheint.

Norm? Kennen die Jungs und Mädels nicht. Meinen sie. Und wenn, dann nur um sich außerhalb eben jener zu bewegen. Sagen sie. Nee, um die Norm dann zu brechen, sagen sie eigentlich. Meinen sie allerdings meist nicht so. Können sie auch gar nicht. Die Norm brechen. Was auch immer gerade die Norm ist.
Und es sind auch nicht irgendwelche pubertierenden Mitmenschen, die das sagen und meinen. Nein, es sind oft schon recht ausgewachsene Menschenwesen. Sollte man meinen. Vielleicht extrem spät pubertierend. Wer weiß? Einige betonen ihre selbst gefundenen, manchmal auch selbsterfundenen, Unnormalitäten sogar ganz besonders. Alles ist anders bei denen. Immer fernab der Norm natürlich.
Nun, ich will ja niemandem seine Individualität absprechen. Auch niemandem unterstellen, dass er ein Traditionalist wäre. Oder ein buntkariertgeblümtes Einhorn . Oder ein Hippie.
Meinetwegen versucht doch, eure Negation des Lebens zu leben. Ist ja euer Leben.

Ich persönlich mache mir ja auch nicht jede in meine Lebensraum geworfene Konvention zu eigen, aber  an diese ständig zur Schau getragene Nonkonformität einiger Mitmenschen mag ich auch nicht so recht glauben. Ehrlicherweise wirkt es für mich bisweilen sogar recht lächerlich. Das beginnt schon damit, dass diese selbsternannten Rebellen noch nicht einmal ihre eigens entworfene Individualsprache sprechen. Noch nicht mal untereinander. Nee, ganz normales, genormtes Deutsch muss es zur Kommunikation dann doch sein. Mit all den Grammatikregeln, der Orthogaphdingsbums, Interpunktion gar noch. Ein paar Individualwörter, die noch keinen Eingang im Duden gefunden haben, mögen zwar vorkommen, ändern aber nichts am Grundsatz. Eine Sprache wie sie auch der Mainstream spricht. Ja geht’s denn noch?

Wie wäre es auch, nicht mehr zu atmen? Machen doch die Spießer auch nur. Ständig sogar. Ziemlich “sich mit dem Strom treiben lassen”, dieses Atmen. Zumindest sollte man wohl eher nicht mit dem Kopp atmen. Vielleicht besser mit dem Hintern, oder ganz rebellisch mit den Füßen?
Und bitte benutzt für euer Geposte im Internetz nicht dieses html oder gar css. Alles viel zu genormt. Genau wie TCP/IP. Lasst es bleiben, denkt euch selbst etwas aus. Ach ja, und wenn ihr dann gerade dabei seid, macht euch mal ein paar eigene Gedanken für eine individuelle Input-Outputlösung auf euren Androiden, Apfel-, Fenster- oder Sonstwasgerätchen. Dann kann auch kein Geheimdienst mehr mitlauschen. Vielleicht!

Natürlich halten wir alle bestimmte Normen ein. Recht selbstverständlich sogar. Beiläufig. Wasser aus der Wand zum Beispiel. Oder die Müllabfuhr. Okay, die Müllabfuhr einige vielleicht doch nicht. Aber hier, DIN A4 Papier, oder A5. 148mm x  210mm nach  DIN. DIN! Merkt ihr selbst, oder?
In unseren Breiten sind das Dinge, die eben so sind. Muss man auch nicht ändern. Da kann man mal ruhig mal zugeben, ganz gepflegt mit dem Strom zu schwimmen und entspannt die Ufer zu betrachten.  Ist dann auch nicht so kraftraubend, immer wieder die 8mm vom Blatt abzuschneiden. Dies zumindest dauernd zu behaupten.

Dieses teilweise schon krankhafte Dagegen einiger Menschen wird dann eben doch nicht in letzter Konsequenz gelebt. Wie auch? Man will ja auch nicht wirklich verzichten. Auf DSL zum Beispiel, oder Kühlschränke. Würde man natürlich nie zugeben.

Mir kommt gerade diese krampfhafte Antihaltung dann sogar eher etwas spießig vor.
Immer genau auf die Leute schauen, damit man dann auch ja das Gegenteil tut, denkt, äußert. Zumindest versucht zu tun, zu denken, zu äußern. Lächerlich! Auf die Leute starren, um den Mainstream zu wittern, wo er wahrscheinlich gar nicht ist?
Das ist in meine Augen genau so blöd, wie ständig andere Leute unter die Lupe der eigenen Sicht der Dinge zu nehmen, um deren vermutete Andersartigkeit zu begaffen. Irgendwie spießig. Beides!
Wenn dann die Masse des Umfeldes Vegetarier ist, wird wieder die dicke Rippe auf den Grill geworfen. Wenn zu viele in Jeans und Holzfällerhemd heiraten, wird nach dem Seidentüllgedöns und Frack mit Fliege Ausschau gehalten. Wird dann Klassik zu Punk erklärt, und Plastik zum Naturwerkstoff?
Wird aus der Not heraus wieder eine Verschwörungstheorie als neue Wahrheit verklärt? Hauptsache anders!

Wenn die Jungs und Mädels dann aber mal wirklich den Rebellen aus sich rauslassen könnten, werden Schwänze und Eierstöcke ganz schnell wieder eingekniffen.
Wenn es einfach darum geht, Anstand zu zeigen. Dem dealenden Spacko an der Schule oder dem Volksverhetzer im präferierten Netzwerk nicht nur die Meinung zu geigen, wenn man denn eine hat. Sondern diese Subjekte auch konkret das Handwerk zu legen, sie gar anzuzeigen.
Der Oma mal eben irgendwo raus, oder irgendwo rein zu helfen. Mal Platz zu machen, für einen Kinderwagen beispielsweise. Sich selbst einfach mal etwas zurückzustellen.
Oder auch mal davor, gar dazwischen.
Tschja, da hört es dann meist auf. Ist sicherlich alles nicht rebellisch genug.

Wobei gerade das es dann wohl wäre.

Und nun husch wieder unter die 135cmx200cm genormte Bettdecke mit euch Pseudorebellen.

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11 Antworten zu Rebellen

  1. Pingback: Kontrolle | ickemich

  2. sachsenmartin schreibt:

    Es ist nicht jeder gleich, logisch. Und doch haben wir alle Gemeinsamkeiten. Denkmuster, die Sprache, 99,9% unseres Erbgutes mit den Affen. Dagegen muss ich mich nicht abgrenzen, es ist so und wahrscheinlich keiner auf der Welt kann es ändern.
    Aber ist man wirklich ein Rebell, nur weil man bei rot über die Ampel geht? Vielleicht sind sie genau dem Denkmuster gefolgt, dass du vorgegeben hast: Das rot erkennen, merken, dass man cool wirken kann und das dann umsetzen. Oder sind sie nur bei rot rüber gegangen, weil sie in Eile sind? Oder mit ihren Gedanken ganz woanders? Woher kennst du die Intention?
    Und woher weißt du, dass Vegetarier nur auf Fleisch verzichten, weil sie nicht Mainstream sein wollen? Ich kenne nur zwei Vegetarier und die eine ist es, weil ihr Fleisch einfach nicht schmeckt und die andere, weil sie den (grausamen) Tod eines Tieres nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Doch ist es in unserer Gesellschaft nicht üblich, dass man zum Beispiel zum Grillen zwangsweise immer etwas vegetarisches dabei hat. Also muss sie das Äußern um Grillkäse zu bekommen. Egal, ob Mainstream oder nicht.
    Warum sieht man heute in jedem individuellem Weg gleich Rebellion?
    Und ist man nicht auch ein Rebell, wenn man gegen die Rebellion rebelliert?

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    • ickemich schreibt:

      Huii! Da fühlte sich aber jemand angesprochen. :)

      Nimm bitte alle aufgezählten Beispiele als das, was sie sind. Eine kleine Auswahl der mehr als abendfüllenden Möglichkeiten. Beispiele eben. Ich hab sicher ein paar nicht aufgeführt.

      Ob „man heute in jedem individuellem Weg gleich Rebellion“ sieht, vermag ich nicht beurteilen.
      Ich für meinen Teil sehe das nicht so.

      Das es immer mehr Leute gibt, die sich hauptsächlich damit zu beschäftigen scheinen, alles „Normale“ in Frage zu stellen und das eben übertrieben, bisweilen nahezu aggressiv, in ihrem Verhalten ausdrücken, ja dass fällt mir auf. Ob die Intentionen dahinter pure Langeweile, oder das Bedürfnis nach Coolness sind, kann ich jeweils nur vermuten. Gut ist jedenfalls beides nicht.

      Und ja, natürlich soll man seinen Lebensstil, seinen Lebensentwurf, ruhig ausdrücken. Wäre ja auch doof, wenn man dies nicht tun würde. Nur sollte man dann eben auch grundsätzlich dabei bleiben und nicht das Fähnlein im Winde schwenken, um nur nicht in den (Selbst)verdacht der „Normalität“ abzurutschen.

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      • sachsenmartin schreibt:

        Ja, weil auch ich „rebelliere“. Und zwar aus Überzeugung und nicht um ein Rebell zu sein… ;)
        Okay, du scheinst da ein bisschen anderes Umfeld zu haben. Ich sehe das aggressive Verhalten in meinem Umfeld nicht wirklich. Klar Zeugen Jehovas oder so, aber sonst bin ich noch keinen großen „Rebellen“ begegnet… :D

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  3. killefitz schreibt:

    Hat dies auf killefitz rebloggt.

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  4. sugar4all schreibt:

    Mhmmm….dieses Thema kann abendfüllend sein und ich gebe dir in vielen Dingen recht!;-) Doch ich bin froh, in einem Land zu leben, wo dies möglich ist, rebellisch zu sein. Ich habe letztens wieder einen Beitrag über das Schulsystem in China gesehen….hier werden bereits Kinder genormt – beginnend bei Kleidung, Haltung und letztendlich dem Denken. Hier ist „anders sein“ nicht erwünscht. Ich vermisse bzw mir fällt auf, dass das Benehmen auf der Strecke bleibt. Und das hat…so wie du schon erwähnt hast…nichts mit der Jugend zu tun! „Anders“ zu sein finde ich ok – ausprobieren wo ist mein Weg….aber dabei die minimalsten Regeln des Miteinander vergessen nur um „anders“ zu sein, das scheint eine Zeiterscheinung zu werden, die beunruhigend ist!

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    • ickemich schreibt:

      Nun, es ging mir hauptsächlich um den Anschein dieser ach so rebellischen Menschen in einem gut gepolsterten System. Die Rebellion, um der Rebellion willen. Salonrebellen, wenn Du so willst.

      Und nein, wir leben nicht in China. Bei uns wäre es dann vielleicht eher die Markenuniformität, aber das wäre auch schon wieder ein ganz anderes Thema.
      Und ja, es erscheint mir bisweilen auch etwas … nun nicht beunruhigend, aber doch ja … abendfüllend ;)

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  5. muellermanfred schreibt:

    You made my day! Ich liebe den Schlußsatz! :D

    (Das erinnert mich daran, daß ich mir unbedingt eine neue Bettdecke besorgen muß. Diese rutscht immer so entsetzlich im Bezug, das ist ein einziges Geknubbel. Ät-zend!)

    Und morgen mache ich gleich mal ’ne Liste von bewährten Sachen, die man ja mal anders machen könnte: neben’s Klo kacken anstatt hinein, Eier ohne Schale kochen, erst abduschen, dann einseifen. Sowas.

    Würde mich nicht wundern, wenn dein Rant einen Trend in Gang setzt …

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    • ickemich schreibt:

      Himmel! Das war doch kein Rant. Dafür müsste ich ja in Rage sein.
      Wie soll das gehen? Also, mit dieser Rage.

      Mir fiel nur in den letzten Tagen auf, dass es eigentlich gar keinen Mainstream mehr geben dürfte. Macht ja kaum noch einer mit. Und einige Nervensägen lassen das eben noch extrem raushängen. Hier, und dort.
      Nun!

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