Wiese

Nun, ich hätte heute sicher sehr gut über den sogenannten Twitterstreik schreiben können. Oder vielmehr, über die Zankereien Diskussiönchen davor und danach. Darüber, dass es Menschen gibt, die das Handeln anderer Menschen kompetent verurteilen, ohne auch nur einen klitzekleinen Funken über sie zu wissen. Also gar nicht so kompetent. Auch über Menschen hätte ich schreiben können, die so ein sozialisierendes Netzwerk vielleicht ein klein wenig überschätzen. Soll es ja geben, solche Menschen. Andere überschätzen sich selbst. Sei es drum. Mach ich auch manchmal. Meist schulte es.
Ich hätte auch ein paar Worte darüber verlieren können, dass selbsternannte Moralapostel sich künstlich aufregen und gegen jedes Problem auf der Welt ein noch viel größeres und fürchterlicheres Problem aus ihrer virtuellen Problemkiste grabbeln. Da könnte ich mich sicher total toll echauffieren.

Aber, ganz ehrlich? Ich pupse lieber darauf. Soll sich meinetwegen aufregen, wer will. Auch bis hin zum Magendurchbruch. Ich kann das aber wirklich niemandem empfehlen.
Weder das Aufregen, noch den Magendurchbruch.
Es haben einige Menschen mal zwei Stunden gemeinsam nicht getwittert. Ja, gut.
Schön, dass sich wenigstens ein paar einig waren, so ein Zeichen zu setzen. Obwohl Zeichen das falsche Wort ist. Ein Zeichlein, vielleicht. Und ja, es haben sich welche darüber aufgeregt. Worüber eigentlich noch mal genau? Über die Sinnhaftigkeit? Bei Twitter?!  Merkt ihr selbst. Oder? Also, Pups!

Viel wichtiger ist mir heute, dass ich nun ein paar freie Tage habe. Fast drei Wochen am Stück für die Familie da sein kann, wenn sie sich denn hier mal wieder blicken lassen.
Die Familie, nicht die Wochen. Dass ich die Wiese hinter dem Haus heute meditativ gemäht habe und morgen mal ausschlafen werde, ist mir wichtig. Ja, Schlaf ist sogar sehr wichtig. Auch im Alter.
Es war sicher auch wichtig, dass ich den neuen Nachbarn geholfen habe, die Couch ins Haus zu tragen. Also deren Couch, nicht meine. Auch, dass ich dort gleich noch Fleisch vom Grill essen werde.
Ich in der Badewanne abhing und dabei sehr laute Musik hörte. All dies sind heute die wichtigeren Dinge für mich.

Schaut euch doch mal um, vielleicht findet ihr ja auch eine Wiese. Müsst sie ja nicht gleich mähen. Kann man auch so mal drüber laufen. Oder sich draufsetzen.
Ganz ohne Aufregung.

Tag 25 von 29
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 29Tage veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wiese

  1. muellermanfred schreibt:

    „Wenn ich nur eine Wiese hätte …“ ist das Klagelied der Landlosen.

    Aber ich hab’s noch gut getroffen, ich habe eine Adoptivwiese. Ich sehe sie nur selten, aber wenn, dann machen wir ganz viel miteinander. Sie war so eine kleine, dürre, weil der Baum ihr immer das ganze Wasser weggesoffen hat – das ging nicht so weiter. Ich machte mir Sorgen. Bis zu diesem einen Winter. Als der Baummann kam mit seiner Säge. Du machst dir ja keine Vorstellung …

    Jahrelang habe ich auf den Baum geschaut und gedacht: Der große Ast da rechts, der könnte doch weg. Und dann habe ich mir überlegt, wie ich das Trumm wohl alleine da runterholen könnte: da das Seil dran, dann unten einschneiden, dann weiter weg oben und … RUMMS! Mist, der Zaun … Also alles auf Anfang: da erst einen Balken über die Pfosten legen, dann das Seil, dann hoch … Müßige Gedanken. Hätten den Baum auch nicht retten können. War einfach zu gefährlich. Hätte irgendwann das Haus zerschlagen. Sagte auch der Baummann – zack, zack, zack, zack! Weg war er …

    Drei Tage lang habe ich gesägt und gehackt wie ein Blöder. Und Rücken schreibt man mit drei R und vier K. Am Ende lag sie da, die arme Wiese: eine kleine Mondlandschaft, schneebedeckt, von Sägespänen übersät, ganz unansehnlich. Doch als ich im Frühjahr wiederkam, da feierte sie schon das erste Fest: alles Wasser gehörte ihr und sie soff und soff und wuchs und soff und wuchs weiter! Und der ächzende alte Rasenmäher klagte: „Ich werde ihrer nicht mehr Herr …“

    Groß ist sie geworden, frech, und wimmert auch nicht mehr. Jetzt fleht sie nicht mehr um Wasser, jetzt lacht sie uns aus. Dann muß ich sie an den Baum erinnern: „Weißt du noch? Der Baum? …“

    Gefällt 2 Personen

Kommentare sind geschlossen.