Einsamkeit

Wieder im Nest. Im leeren Nest zwar, aber im Nest. Allein. Kein Besuch, kein Tohuwabohu. Oh, welch ein schönes Wort! ‚To|hu|wa|bo|hu‘, biblisch übrigens. Gleich erstmal twittern.

Nun aber zurück zur Einsamkeit. Zur Stille um mich herum. Okay, das Radio mach ich mal kurz aus. So!

Ich denke, eine begrenzte Zeit kann ich sie ganz gut genießen. Diese Stille um mich herum. Wenn das Haus sonst von der Familie bevölkert ist auch schon mal gerne früh morgens. Sehr früh morgens. Wenn alle noch schlafen. Ich bin ja eher nicht so der Langschläfer, vielleicht auch nur dieses senile Fluchtdingens. Das Alter, ihr wisst schon. Worum ging es nochmal? Ach ja, Einsamkeit.

Drauf gekommen bin ich schon vor ein paar Tagen durch diesen Blogpost hier bei der fraufremd.

Der Mensch ist nicht für die Einsamkeit gemacht, steht da. Als Fazit, zumindest so in etwa. Klar eigentlich, so als Rudeltier. Logisch!
Die Zweisamkeit durch Bestätigungs(balz?)verhalten in Frage stellen? Mit Komplimenten um sich werfen? Einsamkeit in der Partnerschaft? Hemmungsloses Flirten in irgendwelchen Netzwerken? Das, was man so um sich herum hat, nicht mehr oder weniger wertschätzen? Dies erst wieder lernen müssen?

Das ging mir alles zu kurz, und ich wollte mir erst einen Kommentar dazu zurechtstümpern. Der wäre aber wohl sehr lang geworden, so dass ich mir dachte, nimm Dir mal die Zeit für einen Blogpost darüber. Ich habe mir nun etwas Zeit genommen. Auch  immer mal wieder in den letzten Tagen. Also, noch könnt ihr wieder weiterklickern, denn das dauert gleich.

Frau Fremd habt ihr jetzt ja fertig gelesen.
Nicht?

Da dann mal los. Hier, und hier.

Ich bin ebenfalls keiner dieser Hobbypsychologen, und werde hier nur meine eigene, recht einfach strukturierte Sicht der Dinge zum Besten geben.
Das Alter einer potentiellen Midlife-Crisis habe ich vielleicht schon erreicht, kann allerdings keine Symptome einer solchen an mir feststellen. Und ja, ich beobachte mich selbst oft sehr kritisch und auch recht genau.
Dafür ist mein Gedächtnis allerdings noch erstaunlich gut intakt. Wo war ich?

Ja richtig, zurück zum Thema. Bestätigung.
Natürlich suche auch ich Bestätigung. Nein, ich erwarte sie sogar. Bestätigung im Alltag, im Job, vom Partner, kurz: im Leben.
Für mich ein ganz normaler Vorgang. Ich tue etwas und erfahre dafür Kritik, Wertschätzung oder meinetwegen auch Ignoranz. Positive oder negative Bestätigung eben. Mal einseitig, mal Zug um Zug, eben gegenseitig. Das war in den letzten 42 Jahren meines Lebens sicher schon so, auch wenn ich das nicht immer so realisiert habe. Und auch heute ist mir das oft nicht immer völlig bewusst. Wozu auch?
Und heute ist dies eben auch, im Gegensatz zu vor 20 Jahren, offline und online so. Wenn man das denn unbedingt trennen will. Wenn man das überhaupt immer trennen kann. Wozu eigentlich?

Personen/Dinge/Umstände/ die zu meinem Leben, meinem Umfeld gehören, schätze ich oft sehr wohl. Manches mehr, manches weniger. Man muss im Leben nicht immer alle und alles total lieb haben. Kollegen wären da so ein Beispiel, oder Fenster putzen. Trotzdem gibt mir so ein geputztes Fenster eine Art Bestätigung, wenn man wieder hindurchsehen kann, ohne Herpes zu bekommen.

Aber nur weil ich sehr viele(s) in meinem Umfeld ehrlich wertschätze und mitunter sogar liebe, heißt das ja nun nicht, dass ich keinerlei Weiterentwicklung mehr möchte. Keinerlei Interesse an anderen Menschen, Kulturen, Dingen, Umständen mehr habe. Den Status Quo nun halte,  bis das Unvermeidliche mit mir geschieht. Irgendwann, in ein paar Jahren, besser Jahrzehnten. Hoffentlich!
Selbstverständlich möchte ich mein Wissen, oder auch mein Unwissen, meine guten und schlechten Erfahrungen weitergeben. Ich denke schon, dass auch ich eine ganze Menge von anderen gelernt habe, und noch lernen werde. Nicht jeden doofen Fehler erst unbedingt selbst machen musste und muss. Das gestehe ich anderen Menschen in meinem Umfeld und darüber hinaus auch zu. Von mir zu lernen. Und natürlich erwarte ich eine irgendeine Art von Bestätigung dafür. So wie ich auch bereit bin, Bestätigung zu geben.

Umfeld ist heute natürlich auch ein ziemlich  diffuser Begriff. Nicht mehr nur Familie, das Dorf, der Straßenzug, „der Kiez“. Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich in den letzten 20 – 25 Jahren enorm entwickelt. Ich weiß das, denn ich war ja dabei. Auch hier entwickelte sich bei mir, eben durch diese Anteilnahme daran, ein gewisses „Umfeld“.
Selbst gewählt, fast wie im „richtigen“ Leben. Vielleicht sogar noch etwas mehr selektiert, da man sich oft seine Mitmenschen, z.B. im Job oder im Wartezimmer beim Zahnarzt, nicht gut aussuchen kann. Online gibt es halt Blockfunktionen.

Und ja, ich möchte auch weiterhin von anderen Menschen, ihrem Leben, ihrem Tun, ihrer Art und Weise lernen. Also oft möchte ich das. Mich mit Menschen unterhalten. Gerne von Angesicht zu Angesicht, genauso gerne auf anderen Wegen. Aus Interesse, aus Neugierde. Um für mich Dinge zu übernehmen oder zu verwerfen, oder einfach akzeptieren zu lernen. Selbst Menschen die ich nicht persönlich kenne interessieren mich. Ich lese ja auch ab und an mal Biographien.

Ob ich nun hemmungslos herum flirte, oder mit Komplimenten um mich werfe, mag ich nicht beurteilen. Das ist doch schon sehr vom Standpunkt des jeweiligen geneigten Betrachters abhängig.
Aber ich kommuniziere halt sehr gerne positiv mit Menschen. Zu einer positiven Kommunikation gehört für mich auch das Herausstellen der jeweiligen positiven Merkmale. Auch, und vielleicht sogar gerade, bei einem virtuellen Gegenüber.
Nennt es meinetwegen Komplimente.
Das Geschlecht hat damit sicher immer auch etwas zu tun. Meist sind Frauen doch sensibler, als sie es selbst zugeben mögen und auch Männer sind oft emphatischer, als es ihnen bewusst ist. Darauf kann man eingehen, man kann es auch lassen.
Ich versuche es zumindest. Meistens.

So ein Flirt an sich, kommt sicher auch immer mal wieder vor. Er ergibt sich eben. Ist ja auch nicht schlimm. Virtuell wohl noch etwas unverbindlicher als im realen Leben. Auch dort ergibt er sich ja hin und wieder. Zumindest, wenn man so wie ich auch mal ‚unter Menschen‘ geht. Ungezwungen, zumindest für mich. Beides. An der Bäckertheke, oder eben auf einem Server. Wäre für mich auch traurig, wenn es nicht so wäre.

Dies hat sicher nichts damit zu tun, dass ich meine Holde nicht liebe und wertschätze. Ich denke eher im Gegenteil, dass es eben gerade diese kleinen feinen Freiheiten sind, die wir uns gegenseitig einräumen, die eine Basis unserer schon vergleichsweise lange währenden Beziehung  darstellen. Wir machen gegenseitig eben kein Geheimnis daraus, und wir übertreiben es nicht.  So einfach, so vertrauensvoll.

Wer damit schlechte Erfahrungen gemacht hat, weil eben Grenzen überschritten wurden, Grenzen des Anstandes will ich sie mal nennen, dessen Vertrauen eben missbraucht wurde, der sieht das natürlich völlig anders.
Für mich verständlich, aber ich denke auch, dass man seine enttäuschenden Erfahrungen nicht auf die ganze Welt und für alle Zeit projizieren sollte. Auch wenn man dies gerne täte. Sicher schwierig es nicht zu tun.
Aber wäre dies dann nicht ähnlich unfair, ja sogar ähnlich unanständig?

BTW – natürlich flirte ich auch die Holde bisweilen oft an, so wie sie mich. Allerdings nicht ganz so unverbindlich. Sie hat da ja so einen Augenaufschlag, der … schon gut, ich schweife ab.

Mein Fazit: Ja, es gibt sie die Likes- und Fav-Süchtigen in den sozialisierenden Netzwerken. Ja es gibt dort auch diese Menschen, die sich dort mehr versprechen, als gelbe Sternchen oder Emoticons, wohl auch ab und an bekommen. Und nein, ich denke nicht, dass dadurch eine echte Partnerschaft im wirklichen Leben ersetzt werden kann. Nicht einmal ansatzweise. Ich denke noch nicht einmal, das es sehr viele Menschen sind, die im Netz auf diese Art und Weise einen festen Partner finden werden.

Wem es dennoch gelingt: Herzlichen Glückwunsch und viel Glück für euch zwei! Ehrlich! Ihr habt die Möglichkeiten des regierungsamtlichen Neulandes für euch super genutzt. Super!

Ebenso denke ich nicht, dass eine bereits bestehende reale Partnerschaft durch das erweiterte Umfeld im Netz, und sich daraus ergebener zusätzlicher Kontakte,  zusätzlich gefährdet werden kann.
Sollte es doch einmal so scheinen, dann sollte man auch selbstkritisch genug sein, die wahren Gründe des Scheiterns der Beziehung zu hinterfragen. Beiderseitiges Vertrauen, gegenseitige Achtung und Wertschätzung und auch ein gesundes Verhältnis von Geben und Nehmen sollten meiner Meinung nach die Basis sein, wenn aus der Verliebtheit des Kennenlernens heraus die beständige Liebe bleiben soll.

Wenn dies nicht, oder nicht mehr, vorhanden sein sollte, ist der Fremdgehfaktor bei Twitter oder Instagram genauso hoch, wie in der Kassenschlange im Dorfladen.

Nun ziehe ich mich mal in die Einsamkeit des Hauses zurück und genieße ein wenig die Stille um mich herum.
Und dann gehe ich den Nachbarn heimsuchen, denn für die lange Einsamkeit bin auch ich nun wirklich nicht gemacht.

Tag 9 von 29
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3 Antworten zu Einsamkeit

  1. Pingback: Twitter, Kippen und Schokolade | mueller:manfred

  2. Pingback: Einsamkeit | ickemich | WestSideBlogger

  3. killefitz schreibt:

    Hat dies auf killefitz rebloggt.

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