Water

DSC2134»Salām!«

»Salām! –  Water, water? Mister, Sir – water please.«, der Typ mit dem Geschirrhandtuch auf dem Kopf schaut mich bittend an. Ich hole einen der Sixpacks aus der Teeküche. 6×1 Liter, sollte wohl reichen.
Ich drücke ihm die eingeschweissten Plastikflaschen in die Hand. »Thank you, Mister – Sir, thank you!«
Ich antworte nur dem Andeuten  einer leichten Verbeugung und lege mir dabei die rechte Hand auf die linke Brust. Da wo das Herz ist. Fast.

Wie alt mag er sein? Schwer zu schätzen. Zähne hatte er kaum noch, aber das hat hier nichts zu bedeuten. Sein Bart war nicht nur an den Spitzen schon weiß. Könnte so alt wie mein Vater sein. Anfang sechzig? Vielleicht.
Vielleicht etwas jünger, aber nicht viel.

Er ist im Schatten der halbfertigen Baustelle angekommen, und beginnt das Wasser an drei andere Männer zu verteilen. Sechs, sieben, acht kommen aus irgendwelchen schattigen Ecken, er steht nun ohne Wasserflasche da.

Achselzuckend gehe ich nochmal in die Küche. Diesmal auch an den Kühlschrank.
In jeder Hand einen der Sixpacks gehe ich zu ihm, 50 oder 60 Meter sind es in etwa. Der Wind föhnt mir heiß über die Kopfhaut, wie immer um diese Jahreszeit.  Die Sonne steht hoch, es ist fast Mittag, und es ist staubig!

Ja, er wird die 60 Jahre wohl doch schon überschritten haben. Er humpelt leicht, als er mir ein paar Schritte entgegen geht. Sein Rücken ist krumm, so leicht nach vorne gebeugt. Er sieht müde aus.
Das Pack aus dem Kühlschrank drücke ich ihm selbst in die Hand. Das zweite stelle ich in den schmalen Schatten eines nahen Containers. Er lächelt, dann druckst er.
»Dank viel … du …  Herr!« höre ich.

„Nein, ich bin nicht Dein Herr.“, denke ich nur. Nochmals verbeuge ich mich leicht und gehe wieder. »Salām«.

Nein, ich bin ganz sicherlich nicht sein Herr.

Salām bedeutet Friede.
Hoffentlich! Bald!

In den nächsten Wochen sorgte ich dafür, dass jeden Tag bei Sonnenaufgang genügend volle Wasserflaschen an der Baustelle standen. Mittags brachte ich einige der gekühlten Buddeln zu ihm. Zu ihm persönlich.
Als dann die Baustelle fertig war, bat ich um ein Photo.

Von ihm, dem Herrn mit dem Tuch auf dem Kopf.

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Eine Antwort zu Water

  1. muellermanfred schreibt:

    Wenn man dann noch daran denkt, daß Henker wie Nestlé daran gehen, öffentliche Brunnen zu kaufen, um das Wasser dann abgefüllt den Leuten zu verkaufen, die vorher einfach zum Brunnen gehen konnten, kann einem schon mal der Hut hochgehen.

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