Achtung!

Halt! Stop! Gefahr! Aufpassen!
Die ersten Assoziationen, wenn uns die heutige Überschrift unvermutet zugerufen wird. Ich denke, nicht nur ich wittere bei einem solchen Einwurf Ungemach und der Blick geht rundum. Die Ohren spitzen sich und der Puls legt ein paar Schläge zu.

Aber darum geht es mir heute nicht. Es geht um Achtung. Achtung von Achtsamkeit. Positive Achtsamkeit mit sich und seinem Umfeld. Nicht um Feindbilder. Oft selbst geschaffene Feindbilder, wie die FIFA, H&M, Monsanto, InBev, Nestle, P&G oder, oder, oder.

Natürlich könnte man im, aus freilich selbst gesponnenem Garn, eigenhändig handgewebten Linnenhemd seine zuvor ausgegrabenen Feldfrüchte verzehren, und dem Tier neben sich noch etwas davon abgeben, bis es schlachtreif ist.

Könnte man das?

Mal ehrlich, wer kann das denn heute noch? Schlachten, Weben, Jagen, Töpfern, Schneidern, Fischen, Spinnen und Melken.
So richtig zum eigenen Lebenserhalt, nicht nur als luxuriöses Hobby zum Angeben, meine ich.
Sind das noch Dinge, die in der heutigen Zeit noch jeder können muss, können sollte? Ich denke nicht.
Sicher ist es schön, wenn man das eine oder andere noch beherrscht.
Aber noch besser ist es, dass man eben nicht drauf angewiesen ist, des Abends mit zwei Fischen heimkommen zu müssen, um sich selbst, die Holde am Webstuhl und die Kinderschar auf dem Strohsack zu ernähren.
In anderen Ecken der Welt mag das anders aussehen, aber ich lebe nun einmal in dieser hier. In der Ecke des Überflusses. Der Ecke der Überflutung mit Dingen und Reizen.
Deswegen verurteile ich mich nicht, genauso wenig, wie ich Menschen verurteile, die in dieser oder anderen Ecken der Welt eben anders leben.

Was mir allerdings zu denken gibt, ist dieses vielfache einfache Hineinleben in den schon so oft beschworenen Untergang des Abendlandes. Diese latente Scheißegalmentalität. Kurz, die Unachtsamkeit, mit der doch einige, nicht nur die Jugend, durch das Leben gehen.
Kleine alltägliche Wunder werden nicht mehr gesehen, geschweige denn wahrgenommen oder gar mit anderen geteilt.
Die Verschwendung von Ressourcen ist gigantisch. Mich selbst kann ich davon nicht ausnehmen, will ich auch gar nicht. Die Grenze ziehen? Für andere vielleicht? Den erhobenen Zeigefinger mit erzürntem Blick bedrohlich kreisen lassen? Nöh, liegt mir nicht.  Dafür bin ich der Falsche. Ich akzeptiere ja auch nicht jede Grenze, die mir in der heutigen Zeit von irgendwelchen schwindeligen Gestalten in den Weg geworfen wird. Aber ich schaue mir diese Grenze zumindest kurz an, bevor ich sie für mich verwerfe.

Ich bin aber durchaus überzeugt, dass jeder ein wenig dazu beitragen kann, dass wieder mehr Achtung in unser Leben einkehrt, Achtung vor sich selbst, Achtung vor anderen.Wenn man nur einmal im Jahr etwas repariert, statt es wegzuwerfen. Alle zwei Jahre für ein paar Monate auf das neueste Mobilfunktelefonmodell verzichtet und sein altes noch etwas länger benutzt, oder von anderen nutzen lässt. Das Licht ausschaltet, wenn man den Raum verlässt. Sich bewusster und achtsamer ernährt. Einmal im Monat nur saisonale Dinge aus der Region futtert, oder alle 6 Wochen, nur einen Tag lang. Vielleicht schmeckt es ja dann sogar öfter.
Eine andere kleine Nische findet, in der man dem Leben mit etwas mehr Achtsamkeit begegnen kann. Dies mit anderen teilt.
Zumindest ab und zu mal darüber nachdenken. Einige Minuten nur.
So wie ich heute hier.

Ja, das ist sicher möglich. Für jeden.

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