Fan

Wovon ich wohl Fan bin?

Damit beschäftigte mich in dieser Woche das Thema des #fotoprojekt2014 auf Twitter. Allein die englische Aussprache des Wortes impliziert ja nicht unbedingt bei jedem einen Lüfter oder Ventilator. Auch keinen Fächer. 
Weil das allerdings bei mir bisweilen so ist, bevorzuge ich den Begriff „supporter“, wenn man sich denn schon nicht Freund, Gefolgsmann, Anhänger, Schwärmer, Sympathisant, Verehrer oder Getreuer nennen mag.
Aber zurück zum „Fan“.
Auf
Wikipedia wurde es recht treffend zusammengefasst:

„Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.“

Ein Satz, den nun jeder für sich selbst überdenken kann. Vielleicht sogar mal überdenken sollte. Bei Gelegenheit.
Für mich persönlich ist es so, dass nicht immer alle oben zitierten Adjektive zutreffend sind. Entweder ist es das „längerfristig“ oder/und das „leidenschaftlich“ welches mir abgeht, ebenso ist dieses „emotional“ nicht immer unbedingt gegeben. Auch mit dem externen Fanobjekt tue ich mich doch etwas schwer.

Ja, ich mag viele Dinge. Viele auch schon länger, manche auch leidenschaftlich. Emotional hänge ich sicher auch einigem nach und an.
Aber alles auf einmal?

Ja, ich mag zum Beispiel die Art, wie auf den Inseln Fußball gespielt wird. Das darf die englische Nationalmannschaft sein, aber genauso gut die damals in die Viertklassigkeit gemanagten Rangers aus Glasgow.
Wenn Schottland, Wales, Irland und England die WM-Halbfinals bestreiten würden, was sicher in meinem Leben nicht mehr passieren wird, so würde ich mich für alle vier Mannschaften freuen und mir die Spiele anschauen. Nicht mehr, und nicht weniger.

Und ja, ich kann akzeptieren, dass auch Mannschaften aus dem Ruhrgebiet oder von südlich des Weißwurstäquators annehmbaren Fußball auf internationalem Parkett spielen. Derzeitig zumindest.

Als Fan würde ich mich allerdings nicht bezeichnen. Wie gesagt die Adjektive.

Musik? Ja, gerne! Querbeet eher nicht. Es sollte schon ohne Strom handmachbar sein. Unplugged eben.
Ausnahmen? Sehr gerne! Depeche Mode, Kraftwerk oder Kalkbrenner würden sicherlich ohne Strom nicht auskommen. Mag ich aber trotzdem. Manchmal. Manchmal ist es dann aber auch eher Wagner, manchmal Beethoven, manchmal Verdi. Je nach Stimmung, je nach Situation. Ich habe sogar festgestellt, dass das Leben sehr wohl auch ganz ohne Musik funktioniert. Nicht schön funktioniert, aber funktioniert.

Menschen?
Ja, ich mag Menschen. Die meisten jedenfalls. Sie sind interessant, ich lerne von ihnen. Einige sind besonders. Diese Besonderheit würde allerdings eine Art Fanverehrung augenblicklich zerstören. Zumindest für mich.
Andere sehen das anders? Na hoffentlich!


Meine Familie? Außen vor. Ich bin sicher eine Art Fan meiner Familie. Das ist aber Liebe, und Liebe ist keine Fankultur.

Ahh, Kultur!
Jetzt aber. Ich bin Fan von der afrikanischen Kult… Nee, doch nicht. Peru, das war toll, da möchte ich wieder… Nee, doch lieber Schottland, nee Vietnam! Oder besser Holland, Mexiko, Karibik, Australien, Schweden?
Jede Kultur hatte und hat für mich ihre Reize, aber eben auch ihre Schattenseiten. Mal mehr, mal weniger.

Tibetanisch, mitteleuropäisch, Maya, frühneuzeitlich, Renaissance, arabisch, dadaistisch, Web 2.0, 3.1, 4.2.2., Samurai, ozeanisch, sächsisch, profan,  asiatisch, mittelalterlich, skandinavisch, nordamerikanisch, römisch, afrikanisch, Barock, pharaonisch, lateinamerikanisch, kubistisch, Azteken. 
Zwei Seiten. Alles!

Fan also … Ich?
„Längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt haben“?
Ich denke mal, eher nicht.

Allein der Begriff Fan, der von bösen Buben (und natürlich Bubinnen) mit „atismus“ fortgesetzt werden kann, wenn man denn bei der deutschen Sprechweise bleibt, liegt mir nicht wirklich. Eher im Gegenteil. 
Ich supporte Sachen, die ich mag. Ja, natürlich! Meinen örtlichen Dorffußballverein, zum Beispiel.
Und ich stinke gegen Dinge an, die ich nicht mag. Fanatismus jeglicher Couleur, zum Beispiel.

„Vielseitig interessiert“ trifft auf mich sicher schon zu. 
Aber „Fan“? Nöh, sorry!

Deswegen werde ich in dieser Woche beim #fotoprojekt2014 wohl aussetzen müssen.

Oder halt! Vielleicht ja doch nicht.

Sicher etwas abstrakt, aber möglich. Vielleicht bin ich ja doch ein Fan meiner eigenen Neugier. Fan von Dingen, die noch geschehen. Dinge, die ich vielleicht noch beeinflussen kann, Dinge die sich nur selbst beeinflussen werden. Fan von neuen Menschen, neuen Orte, neuen Situationen, neuen Eindrücken, Veränderungen. Ja, ich mag meine Neugier schon lange und leidenschaftlich. Sie weckt auch oft Emotionen in mir oder anderen. Und ja, ich investiere in meine Neugier.
Ich denke, das ist es.

Dann will ich davon mal ein Photo machen.
Ach, hab ich ja gerade. Ich Schussel!

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Eine Antwort zu Fan

  1. spr1nger schreibt:

    fantastickemich…

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