Leidenschaft

Im Alter lässt ja so einiges nach. Auch die Leidenschaft. Sollte man meinen.
Oder doch nicht?

Eher nicht!
Bestimmte Extravaganzen klemmt man sich sicherlich schon mal dahin, wo die Sonne nicht scheint.
Lange Partywochenenden zum Beispiel.
Zu anstrengend, zu zeitaufwendig dann die notwendige Regeneration.
Das hat nicht unbedingt etwas mit exorbitant gewachsener Intelligenz zu tun. Eher schon mit diversen körperlichen Zipperlein, die es besser zu vermeiden gilt.

Leidenschaften verändern sich sicherlich zum Alter hin. In sich.
Ich denke aber nicht, dass sie ganz verschwinden. Zumindest nicht, wenn es wirkliche Leidenschaften sind. Das Frönen von lautstarkem, dafür völlig falschem, Gesang an bestrohhalmten Sangriaeimern weicht eben dem Lauschen von wagnerischen Klängen zu einem guten Glas Rotwein. Die eigentliche Leidenschaft für beides, den Wein und die Musik, bleibt. So weit, so gut.

“Die Leidenschaft an der Wurzel angreifen, heißt das Leben an der Wurzel angreifen”, formulierte Nietzsche in einem seiner zweifellos vorhandenen lichten Momenten.

Leidenschaften bleibt man eben irgendwie treu, so wie man dem Leben treu bleibt, oder der Liebe. Eine Leidenschaft gibt durch ihre Beständigkeit auch einen gewissen Halt in einer oft eher unbeständigen Welt. Auch, oder gerade, wenn diese Leidenschaft durch andere negativ gesehen, vielleicht sogar lächerlich gemacht wird.

Meine Leseleidenschaft zum Beispiel hilft mir bisweilen heute immer noch das alltägliche Chaos zu ordnen, neue Blickwinkel zu entdecken, oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Als Heranwachsender war es nicht unbedingt von Vorteil, ein “Bücherwurm” zu sein. Trotzdem hat mich, besser habe ich, diese Leidenschaft nicht verlassen, eher im Gegenteil. Selbst für mein damaliges jugendliches Ego war es gut, belesen zu sein. Mehr von der Welt zu wissen, als andere. Auch wenn es eben “nur” aus Büchern war. Das empfinde ich heute immer noch so.
Meine Familie hat mich in dieser Hinsicht immer sehr unterstützt. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar.

Auch Photographieren ist etwas, was ich schon von Kindesbeinen an gerne tat. Nicht ständig und immer, aber doch recht oft. Damals noch teuer, sowohl in der Anschaffung, als auch bei den laufenden Kosten. Heute ist es nur noch die Anschaffung, mit der man sich auseinandersetzen muss. Pixel kosten ja zum Glück nichts.
Gelernt habe ich hauptsächlich durch ausprobieren. Und natürlich aus einigen Büchern, neuerdings auch im Netz. Die Grundlagen von Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert eben. An dieser Stelle möchte ich , nicht nur Anfängern, kleine-fotoschule.de empfehlen.
Ob ich es mittlerweile kann? Keine Ahnung! Interessiert mich auch nicht wirklich. Es gelingen mir bisweilen ganz ansehnliche Bildchen, und sie gelingen mir gern. Manchmal sogar mit Absicht. Das reicht mir. Es ist ja eine Leidenschaft, keine Profession.

Schlussendlich habe ich mich noch zu einem recht leidenschaftlichen Familienmenschen entwickelt. Die heranwachsenden Kinder zu sehen, die alltäglichen Probleme und Problemchen gemeinsam mit der Holden zu stemmen und eine Basis im heimischen Heim zu haben, macht mich eben leidenschaftlich fröhlich. Glücklich, kann man sogar sagen. Und auch diese Leidenschaft werde ich mir nun auch ganz sicher gut bewahren.

Bleibt leidenschaftlich!

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