Freiheit

rps20140326_165318„Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

Dieses Zitat von Rosa Luxemburg dürfte den meisten Menschen in diesem Land geläufig sein. Natürlich nur, insofern sie eine halbwegs passable Bildung genossen, und sich nicht von diversen PrivatFernsehsendern das Hirn haben wegweichen lassen.
Obwohl ich dem Alter des Hintertreppenkomsomolzen (Dank an Alfred T. für diesen prägenden Begriff) schon etliche Monate entwachsen bin, so finde ich schon, dass dieses Zitat ganz gut zum Thema passt, und den Kern desselben recht genau trifft.

Freiheit ist sowohl individuell, als auch universell. Es gibt kein ultimatives Richtig oder Falsch. Der eine findet Freiheit in seiner Arbeit, den anderen schränkt eben diese gleiche Arbeit ein. Ich fühle mich persönlich frei, wenn ich auf dem Deich stehe, und über den Dollart sehe. Gut, viel gibt es da nun wirklich nicht zu sehen. Anderen Menschen wäre wohl dieses ländliche Idyll schon wieder zu eng. Dafür fühle ich mich in den Straßenschluchten von Großstädten nur bedingt frei. Es sollen dort aber auch Menschen glücklich leben, und sich frei fühlen. Habe ich mal gehört.

Freiheit ist für mich etwas, was mein einfaches Gemüt erhellt. Darauf kann man sich wahrscheinlich mit so ziemlich jedem Erdenbürger einigen. Unfrei fühlt sich dunkel und kalt für mich an, und jedes Lebewesen hat irgendwie das Bedürfnis nach Licht und Wärme, nach Freiheit.

Ob diese Freiheit nun echt ist, oder nur vom Leben, vom Umfeld, von sich selbst vorgespielt wird, auch damit wird sich jeder Mensch anders arrangieren. Andere sollten darüber nur eben nicht immer gleich ein Urteil fällen.  Auch wenn  Menschen  versuchen, sich selbst zu belügen, und dies als persönliche Freiheit betrachten, dann haben sie damit einen Weg für sich gefunden. Es gehört sicher auch zur Freiheit von Individuen sich selbst etwas vorzumachen. Aus welchen Beweggründen auch immer.
Vielleicht ist es einfach nur ein Andersdenkender.

In Deutschland leben viele Menschen, die Krieg nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen. Wenn überhaupt. Die Freiheit, in Frieden zu leben, ist vielen dadurch vielleicht gar nicht so präsent. Menschen in Kriegsgebieten sehen die Welt oft völlig anders. Während deutsche Kinder zum Beispiel die Schulpflicht, also Bildung, als doofen alltäglichen Zwang sehen, gibt es Gegenden auf dieser Welt, wo es selbst die Kinder als höchste Form von Freiheit ansehen, eine Schule besuchen zu können. Das ist keine politisch korrekte Worthülse, die ich nur vom Hörensagen kenne, sondern eigenes Erleben in jüngerer Vergangenheit. Der alte Cicero hatte schon nicht ganz unrecht, als er sagte, „Friede ist Freiheit in Ruhe“.

Die Integrität und Treue, mit der wir unsere, mit Geburt gegebene, Freiheit leben, ist uns überlassen. Es ist uns überlassen, aus welchen Gründen auch immer,eigene kleine Kriege mit den Nachbarn, dem Finanzamt, oder meinetwegen mit uns selbst anzuzetteln. Ob wir damit den Frieden unseres Lebens, unseres Alltags, und damit wohl auch ein Stück unserer Freiheit in die Waagschale werfen, kann und darf jeder für sich selbst entscheiden. Und natürlich wird, bei geringer Toleranz, schnell die Freiheit des Anderen, des Andersdenkenden, zur wahrgenommenen Grenze der eigenen Freiheit. Vielleicht ist es aber auch manchmal nur so etwas wie Langweile.

Gesunde Skepsis und eigenständiges Denken sind  in vielen Situationen unseres Alltags richtig und wichtig, aber nicht  als blanker Opportunismus, zum Preis des Friedens. Nicht zum Preis der Freiheit, auch nicht der Freiheit der Andersdenkenden.

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Eine Antwort zu Freiheit

  1. killefitz schreibt:

    Hat dies auf killefitz rebloggt.

    Gefällt mir

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