Struktur

Das dieswöchige Thema beim #fotoprojekt2014 ist „Struktur“. Es hat mich mal wieder, und ich bin dafür auch immer recht dankbar, zum Nachdenken angeregt. Strukturen ziehen sich ja irgendwie durch ein ganzes Leben. Wohlgeordnet oder chaotisch, sei mal dahin gestellt. Ebenso sei dahin gestellt, was jeweils besser ist. Bevor es aber hier weitergeht, möchte ich zunächst diejenigen warnen, die heute nur einen kurzen Post erwarten. Damit wird es hier und heute wohl nichts wird. Wer also keine Muße hat zu folgen, zappt klickt bitte besser gleich weiter.

Gesellschaftsstruktur, Dateistruktur, Oberflächenstruktur, Infrastruktur, strukturschwach, strukturstark, durchstrukturiert, destruktiv, konstruktiv, fallen mir so als erste Stichwörter zum Thema ein. Viele Oberflächlichkeiten, auch im Wortsinn. Da ist doch aber sicher noch mehr.

Unser Leben ist geprägt von Strukturen. Zum Glück!
Strukturen bringen uns Sicherheit. Meistens jedenfalls.
Ich rede nicht von den uns selbst auferlegten Strukturen, sondern von dem, was die Natur für uns bereithält.
Strukturen für die Teilhabe am Leben. Tag und Nacht zum Beispiel, die Jahreszeiten oder auch unser eigener Lebens(halb?)kreis zwischen Geburt und Tod. Einige dieser natürlichen universellen Strukturen können natürlich auch einschränken oder ausgrenzen, so wie es jede Struktur, jede Regel, jede Hierarchie vermag. Krankheiten waren und sind dafür leider immer noch ein  Beispiel. Wetterextreme oder Geländegegebenheiten schränken als natürliche Strukturen unsere Handlungsfreiheit ein.
Schon die Art, als die ein Lebewesen geboren wird, setzt gewisse Grenzen. Vögel können meist nicht blühen, Pflanzen oft nicht fliegen. Alles was die Natur uns „aufzwingt“ ist allerdings in irgendeiner Art und Weise bereits auf das Leben, oder besser den Lebenskreislauf, ausgerichet. Wir täten gut daran, dies öfter zu akzeptieren, und uns mit Eingriffen in diese Gegebenheiten etwas zurück zu halten.
Strukturen gehören also seit unserer Geburt zu unserer Realität. Und weil es uns so gut gefällt, strukturieren wir weiter. Vom Universum in unseren jeweiligen Mikrokosmos. Wir legen Regeln fest, Regeln gegen das Chaos, Strukturen gegen die Unordnung. Regeln können Triebfeder sein, oder auch Bremsklotz. Strukturen können Macht und Stärke demonstrieren, aber auch Schwäche und Ohnmacht bekämpfen.

Jeder von uns, okay fast jeder, schleppt beispielsweise eine Uhr mit sich herum. Ob nun am Handgelenk, im Smartphone oder elegant oldschool in der Westentasche. Selbst hartnäckige Uhrenverweigerer kommen im öffentlichen Raum immer wieder mit ihnen in Berührung. Vom Privatbereich will ich gar nicht erst reden. In fast jedem Raum befindet sich ja mittlerweile mindestens einer dieser Zeitmesser. Warum tun wir das?
Uhren strukturieren unsere Zeit, messen also unsere Tagesstruktur. Sie zeigen uns, ob wir gut im Rennen liegen, oder spät dran sind. Ob Busse und Züge bereits abgefahren sind, oder ob es sich noch lohnt den eigenen Körper zu beschleunigen. Wo die Uhr nicht mehr ausreicht, kommt der Kalender ins Spiel. Mit seinen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren strukturiert er weiter unsere Lebenszeit.
Manchmal kommt es uns so vor, dass unsere Zeitstruktur total fremdbestimmt ist. Aber ist sie das wirklich? Hindert uns jemand, den Wecker, oh eine Uhr, einfach eine halbe Stunde früher zu stellen, wenn wir morgens gerne noch 30 Minuten dösen? Haben wir den Beruf, die Familie, das Hobby, oder was auch immer uns zum morgendlichen Aufstehen veranlasst, nicht irgendwann mal relativ frei gewählt?
Könnten wir diesen Grund, diesen Zustand, vielleicht auch unter Inkaufnahme gravierender Nachteile, nicht jederzeit ändern?

Ich denke, jeder strukturiert sich letztendlich seine Zeit selbst und in letzter Konsequenz völlig eigenverantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger effektiv. Das ist aber auch nicht die Hauptsache. Der Kern des Pudels  ist vielmehr, dass wir von Strukturen abhängig sind, wie vom Sauerstoff in unserer Luft. Noch ein Beispiel gefällig?

Bitte!

Wir wohnen sehr strukturiert. Steile These? Wohl kaum.
Niemand käme ernsthaft auf die Idee, in seinem Schlafzimmer ein Vollbad in einer Zinkwanne nehmen zu müssen, oder in der Küche sein Geschäft zu verrichten. Ebenso wenig würde man sich mit Freunden auf ein Schwätzchen im Gästeklo versammeln. Gut, vielleicht etwas alberne Beispiele, aber strukturieren wir uns nicht fortlaufend? Wir suchen natürlich das Ladegerät nicht in der Besteckschublade, und diese Papierbücher stellen oder legen wir auch sehr selten in den Kleiderschrank. Wir denken dauernd zeitlich , örtlich, gesellschaftlich in Hierarchien, Strukturen und Regeln? Wir ziehen uns oftmals unsere Grenzen selbst. Engen uns damit manchmal auch ein. Bewußt, mit voller Absicht. Das Leben als Struktur, in Struktur.

Strukturen bringen uns eben diese Sicherheit. Hierarchien zum Beispiel. Glaubt ihr nicht?
Schon mal geflogen? Also im Flugzeug einer beliebigen Airline mitgeflogen? Nun, aktuell vielleicht nicht unbedingt mit einer malaysischen.
Als Passagier ist man doch froh, dass es die Strukturen und Hierarchien dort in der Fliegerei gibt. Techniker, Bodencrew, Piloten, Flugbegleiter, Fluglotsen und Flugsicherheitspersonal sind stramm organisiert. Das alles gibt uns doch erst eine gewisse Sicherheit, diese total unnatürliche Fortbewegungsart erfolgreich zu überleben. Denkt mal beim nächsten Tomatensaft im Urlaubsflieger darüber nach.

Hierarchien geben uns auch Sicherheit. Unordnung beseitigen wir, indem wir sie in Strukturen bringen. Abheften, wegräumen, abwischen, Strukturen sind oft das Ziel, die Triebfeder unseres Tuns. Strukturen geben uns oft auch erst die Kraft für unser Tun.

Manch Zeitgenosse ist nun der Auffassung sein ganzes Leben höchstpersönlich und minutiös durchstrukturieren zu müssen. In Listen, Plänen, Zeittafeln.
Arme Irre sage ich dazu. Nicht, dass es total schwachsinnig wäre, einen Plan in der Tasche zu haben. Aber ist das Leben nicht eher so eine Art Tagebuch? Ein Tagebuch auf dem ein, zwei Seiten mit Bleistift durch uns selbst ganz dünn vorgeschrieben sind? Unsere Pläne, Ziele, Wünsche?
Meist werden dann aber, durch die Tinte der Realität, ganz andere Wörter dort hineinformuliert, und unser Bleistiftgekritzel wird darunter kaum noch lesbar.

Also ich zumindest betrachte viele Strukturen trotzdem auch immer als veränderlich. Manche Strukturen sind allerdings für mich auch so universal, dass eine Änderung derselben gar keinen Sinn ergeben würde, vielleicht sogar bedrohlich wäre.

Eines sind Strukturen also ganz sicher nicht. Oberflächlich!

Nun bin ich mit dem #Fotoprojekt2014 zwar noch kein Stück weiter gekommen, bedanke mich aber bei allen, die ein Thema eingereicht haben und bei @quergerade als Losfee für die wöchentlichen Denkanstöße.

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