Staub

Sieben Jahre ist er heute her. Dieser Tag im April, an dem ich Abschied nahm, Abschied nehmen musste. Wieder einmal. Der Karfreitag war 2010 erst gut zwei Wochen her und noch nicht wirklich verdaut, da würgte ich schon auf dem nächsten Stück Leben herum. Diesmal traf es einen von „meinen“ Männern. Direkt und unumkehrbar. Und seine Familie. Daheim.
Aufgeschrieben hatte ich es damals schon, rausgekramt vor zwei Jahren für das Projekt „1000 Tode schreiben“ des Frohmann-Verlages. Ich habe schon mal beiläufig darüber berichtet, über das Projekt. Damals wollte ich meinen Text dazu (noch) nicht posten.
Jetzt schon. Hier bitte: 

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Herzverstopfung

Nicht poetische Herzverstopfung aus überquellender, vielleicht nicht erfüllter Liebe. Oder aus unausgesprochener Sorge um die Liebsten.
Nicht das Verstopfen des Herzens als solches, sondern die Verstopfung der Herzkranzgefäße, des Herzmuskel-versorgungssystems. Im wahrsten Sinne des Wortes also. Das Zusetzen der Blutgefäße mit Ablagerung an den Innenwänden. Wie Plaque, nur eben nicht so leicht mit einer Bürste wegputzbar. Keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Kann einem schon zusetzen so ein Zusetzen. Sterben kann man sogar daran. Hab ich kurz gemacht, hat sich nicht bewährt. Weiterlesen

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Verstrahlt

Ich bin heute einer schönen Schreibeinladung gefolgt. Ganz schnell und ohne groß darüber nachzudenken.
Dafür aber sehr gerne.

Ich bin sicher etwas früh dran, aber es kann ja auch in der nächsten Woche noch gelesen werden.
Ebenso habe ich die 10 Sätze nicht ganz ausgeschöpft.  Vielleicht braucht ja jemand noch einen davon?

 

Hier das Ergebnis:


Unter der uralten Rotbuche auf der Lichtung wurde es in den letzten Stunden immer voller. Alle Frühlingsgefühle versammelten sich dort, um die ersten Märzsonnenstrahlen zu begrüßen. Heute sollte es soweit sein. Es war ein recht lebhaftes Gebrabbel,
schließlich hatten sich die meisten von ihnen schon ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen. Noch war es empfindlich kühl, und der Morgennebel hing wie ein milchiggrauer Duschvorhang in den Wipfeln der Bäume ringsum. Himmelhochjauchzend und Zutodebetrübt saßen nebeneinander an einem der langen Tische zum Leichenschmaus von König Winters Beerdigung. Sie nickten sich schweigend aber vielsagend zu und als die Sonne dann endlich den Nebel durchbrach, schwebten sie leicht verstrahlt zurück zu den Menschen.


 

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Haken

Einen Haken an die erste Woche der Kur machen. Jo, eine Woche bin ich morgen nun schon hier, sieben Tage und doch recht schnell angekommen. Das erste Wochenende war weniger langweilig als befürchtet, und aufgrund des strahlenden Sonnenscheines mit einigen zehntausenden Schritten in der Umgebung behaftet. Und Besuch hatte ich hier ja auch.

Den Altersdurchschnitt senke ich hier in der Klinik wohl erheblich. Einige wenige Mittfünfziger dürften zu den Jüngeren hier gehört haben. Bisher. Sonst liegt das Alter der Kurgäste eher bei 65-70 Jahren. Alte Männer mit eher grauen Gesichtern, manchmal in Begleitung ihrer Ehefrauen. Noch ältere Frauen mit Klunkern an den Fingern und/oder um den Hals. Nicht immer ganz so sichtbar krank wie die Männer. Und insgesamt weniger. Von der Anzahl her.

Rollatoren und Unterarmgehhilfen, viel Geschnaufe und Gehuste.

Das erdet dann wieder. Wenn man eben problemlos Treppen steigen kann, schwimmen, Eisen biegen, Essen vom Buffet holen. Auf dem Deich herumrennen, im Wald, den Salzwiesen oder am Strand. Fotos machen. Auf dem Ergometer strampeln. Ohne Luftnot.
Können viele hier nicht, zumindest nicht ohne Hilfe. Und selbst dann nur beschwerlich.

Ja, es macht dankbar. Dankbar für das was ist. Ohne Haken.

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Leer

Oder besser: nicht so überlaufen, eher so unvoll ist es hier in St.Peter-Ording. Also, im Ort. Ein paar Leutchen sind wohl als Kurgast unterwegs, in Bad und Dorf. In Ording und in St.Peter. Die meisten Kurgäste werden wohl eher in ihren Häusern bleiben. Auf dem Klinikgelände.

Ganz wenige Menschen wollen hier scheinbar ihre Hunde begraben*. Ist ja genug Platz, wenn kaum andere Touristen da sind. Sicher nicht die schlechteste Zeit, hier ein paar Tage zu verbringen. Wenn man denn etwas wetterfest ist. Und wenn man keinen Wert auf Menschenmassen legt.

*okay, die lassen ihre Vierbeiner nur herumlaufen
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Hagel

Hagelslag, aber nicht als Zucker oder Schokolade.
Die atlantischen Tiefdruckgebiete mit den lustigen Namen schaufeln wieder ordentlich nasse Kaltluft aus West hier an die eingedeichte Küste. Und somit Hagelkörner auf das Dachfenster. Lautstark.
Die administrative, pflegerische und ärztliche Aufnahme ist abgeschlossen, mein Kurplan in der Mache. Etwas Luft wird mir wohl bleiben, zur Erholung. Und für den ein oder anderen Deichkilometer, wenn es mal aufklart.

Länger als für ne Viertelstunde, vielleicht. Heute eher nicht.

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Angekommen

St. Peter-Ording nun also. Schleswig-Holstein, Westküste. Nordfriesland. Wie Ostfriesland, nur ohne Wallhecken und mit Schafen statt Kühen.
Drei Wochen Kur, mit der Option zu verlängern. Den Infarkt abschließen, für mich. Nicht in echt. Logisch.
Vier Stunden Anfahrt, ohne Eile. Oft rechte Spur. Konzentriert. Das hat mich doch etwas müde gemacht. Also Kaffee. Dann dort eingetrudelt, gegessen, ins Zimmer eingezogen.
Den halben Hausstand dort verteilt. Passt. Gerade so, aber passt.
Fünfmal zum Auto hin- und herlaufen hat mich auch nicht munter gemacht, genauso wenig wie das graue miese Nieselwetter.

Der Blick aus meinem Zimmerfenster im zweiten Stock dann schon. Angekommen.

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