Herr Kofler bangt um seine Tochter

Es ist sicher eine Sache, das Heft des Handelns für sein eigenes Leben aus der Hand zu geben. Geben zu müssen. Sich dann in sein eigenes Leben zurückzukämpfen. Kalkuliert und eigenverantwortlich.

Eine ganz andere Sache ist es dann allerdings, für sein Kind dieses Heft des Handelns in fremde Hände legen zu müssen. Selbst wenn diese Hände noch so ruhig und hochqualifiziert sind. Zusehen zu müssen, ohne eine echte zweite Option.
Da ist es dann egal, ob man Mutter oder Vater des Kindes ist. Egal, ob das Kind ein Sohn oder eine Tochter ist.

Und selbst als Außenstehender freut man sich, wenn es positiv ausgeht. Als Vater.

Danke für diesen Einblick und alles Gute für Euch.

Herr Kofler erzählt vom Krieg

Den Kaffee hatte ich nicht angerührt. Alleine der Gedanke an den Geschmack verursachte Übelkeit. Ich saß da und starrte ins Leere. Sah die Kellnerin vorbeieilen. Das alte Paar, das am Nebentisch Zeitung las. Und wenn ich mich nach rechts drehte, sah ich die Straßenbahn den Verkehr in Linz in zwei Hälften pflügen. Kein Ton. Kein Geräusch. Alles Watte.

Meine Frau drückte meine linke Hand so fest, dass sie weh tat. Ich zog sie dennoch nicht zurück. Der Schmerz war meine letzte Verbindung zur Realität.

Eine Realität, in der Hannah, unsere Tochter, gerade einmal 14 Jahre alt, nur wenige hundert Meter vom Kaffeehaus entfernt in diesem Moment keinen Herzschlag mehr hatte. Dafür einen geöffneten Brustkorb, in dem ein Chirurg mit Händen und Hightechgeräten zu retten versuchte, was zu retten war. Zwei Herzfehler – Hannah hätte  25, vielleicht 30 Jahre gehabt. Dann wäre sie irgendwann tot umgefallen. Einfach so.

DER SCHOCK

Wieder…

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Leben

Der erste Advent ist nun vorbei. Auch in diesem Jahr habe ich den Abend am letzten Sonntag, also vorgestern, überlebt. Wie letztes Jahr auch. Nur einfacher diesmal. Leichter. Ohne Rippenbrüche von der Herzdruckmassage, ohne erst nach fünf Tagen aus einem künstliches Koma aufzuwachen… okay, was nicht ist, kann natürlich noch werden. Immer, zu jeder Zeit, das habe ich gelernt. Die Prognose sieht da aktuell allerdings doch etwas anders aus. Positiver. Zum Glück! Weiterlesen

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Schach

Hin oder her, die eine eigene Krankheit ist noch nicht überwunden, da gibt es bereits die nächste miese Diagnose im Familienumfeld. Schicksal wohl.  „Interdisziplinäre Tumorkonferenz“ und ähnlicher Wortschatz, kann einen dann auch schon mal ins Wanken bringen. Allein die Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen, kann das. Auseinandersetzen mit dem aktuellen Ist-Zustand und den möglichen Folgen. Zeitlich sehr absehbaren möglichen Folgen. Nichts in einer fernen Zukunft, wo vorher sowieso alles noch ganz anders kommen kann. Weiterlesen

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Inflammatorisch

Da stand sie in ihrer Haustür, die kleine Frau. Damals, vor gut 18 Jahren.   Ein paar Jahre älter als ich es heute bin war sie. Skeptisch guckte sie mich an. Die Mutter ihrer Tochter. Ich hätte ja so furchtbar wenig Haare auf dem Kopf gehabt, sagte sie mir später mal. Später, als ich mit ihrer Tochter schon lange zusammenlebte. Später, als ihre Enkelin geboren wurde. Unsere Tochter. Jahre darauf dann der Enkelsohn. Später, als ich ihre Tochter heiratete.
Als sie doch schon längst meine Schwiegermutter war. Weiterlesen

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Kreislauf

Nun sind die drei Wochen Urlaub schon fast wieder vorbei. Vorgenommen hatte ich mir zum Glück nichts. Also nichts, was ich hätte schaffen müssen. Etwas mehr in den Tag hinein leben vielleicht. Mal hier, mal dort hin fahren.
Ans Meer auch. Sich ein bisschen bewegen. Wenn es denn geht. Das Fahren. Und das Bewegen. Vom Kreislauf her. Meinem Kreislauf. Kreislaufwetter hatten wir ja auch genügend in den letzten drei Wochen. Ob nun 30, 32 Grad und trocken oder 25 Grad und schwül warm sind meinem Blutdruck ja relativ egal. Der spinnt bei beiden Wettern gleichermaßen. Springt ab und an doch noch mal hoch, geht dann aber auch wieder in den Keller. Beängstigend tief manchmal.

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Plan

Wie sollte er nun aussehen, der Plan meines zweiten Lebens? Des Lebens nach dem Aufwachen auf der Intensivstation. Nach den ersten Schritten und der Zeit im Reha-Zentrum. Wenn ich dann wieder dauerhaft daheim bin.
Nach der Reha gestaltete es sich vieles doch einfacher als zunächst vermutet. Für mich. Oder vielmehr, ich versuchte es möglichst einfach zu gestalten. Zu planen. Mit Hilfe. Der Hilfe der Therapeuten. Um die Voraussetzungen zu klären. Mit Hilfe von Kollegen, Freuden, der Familie. Um meine Möglichkeiten zu beurteilen und dann das eigene Handeln möglichst realistisch abzuwägen. Natürlich erst, nachdem die Eckpunkte feststanden, und ich auch die Unwägbarkeiten so halbwegs hinnehmen konnte. Das dauerte etwas. Das Hinnehmen. Akzeptieren war dann doch wieder wesentlich einfacher, als zu verstehen. Unwägbarkeiten waren es recht viele. Sind es ja immer noch. Weiterlesen

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Haus

Das Auto hält in der Auffahrt. Nachdem der Motor aus ist, legt die Holde den ersten Gang ein. Daheim, nach neunzehn Tagen in verschiedenen Klinikzimmern wieder ins eigene Haus. Das erste Mal in meinem neuen, diesem zweiten Leben. Etwas mehr zurück in die Wirklichkeit. Ein weiterer kleiner Schritt nach vorn.
Ich krame nach meinem Haustürschlüssel. Kein Schlüsselbund in den Jackentaschen. Klar, wozu auch? Brauchte ich ja nicht in den letzten Tagen. Werde ich auch in den nächsten Tage nicht unbedingt brauchen. Ich werde es mir trotzdem wieder einstecken. Das Schlüsselbund. Somit auch wieder etwas Normalität herstellen. Weiterlesen

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