Haken

Einen Haken an die erste Woche der Kur machen. Jo, eine Woche bin ich morgen nun schon hier, sieben Tage und doch recht schnell angekommen. Das erste Wochenende war weniger langweilig als befürchtet, und aufgrund des strahlenden Sonnenscheines mit einigen zehntausenden Schritten in der Umgebung behaftet. Und Besuch hatte ich hier ja auch.

Den Altersdurchschnitt senke ich hier in der Klinik wohl erheblich. Einige wenige Mittfünfziger dürften zu den Jüngeren hier gehört haben. Bisher. Sonst liegt das Alter der Kurgäste eher bei 65-70 Jahren. Alte Männer mit eher grauen Gesichtern, manchmal in Begleitung ihrer Ehefrauen. Noch ältere Frauen mit Klunkern an den Fingern und/oder um den Hals. Nicht immer ganz so sichtbar krank wie die Männer. Und insgesamt weniger. Von der Anzahl her.

Rollatoren und Unterarmgehhilfen, viel Geschnaufe und Gehuste.

Das erdet dann wieder. Wenn man eben problemlos Treppen steigen kann, schwimmen, Eisen biegen, Essen vom Buffet holen. Auf dem Deich herumrennen, im Wald, den Salzwiesen oder am Strand. Fotos machen. Auf dem Ergometer strampeln. Ohne Luftnot.
Können viele hier nicht, zumindest nicht ohne Hilfe. Und selbst dann nur beschwerlich.

Ja, es macht dankbar. Dankbar für das was ist. Ohne Haken.

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Leer

Oder besser: nicht so überlaufen, eher so unvoll ist es hier in St.Peter-Ording. Also, im Ort. Ein paar Leutchen sind wohl als Kurgast unterwegs, in Bad und Dorf. In Ording und in St.Peter. Die meisten Kurgäste werden wohl eher in ihren Häusern bleiben. Auf dem Klinikgelände.

Ganz wenige Menschen wollen hier scheinbar ihre Hunde begraben*. Ist ja genug Platz, wenn kaum andere Touristen da sind. Sicher nicht die schlechteste Zeit, hier ein paar Tage zu verbringen. Wenn man denn etwas wetterfest ist. Und wenn man keinen Wert auf Menschenmassen legt.

*okay, die lassen ihre Vierbeiner nur herumlaufen
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Hagel

Hagelslag, aber nicht als Zucker oder Schokolade.
Die atlantischen Tiefdruckgebiete mit den lustigen Namen schaufeln wieder ordentlich nasse Kaltluft aus West hier an die eingedeichte Küste. Und somit Hagelkörner auf das Dachfenster. Lautstark.
Die administrative, pflegerische und ärztliche Aufnahme ist abgeschlossen, mein Kurplan in der Mache. Etwas Luft wird mir wohl bleiben, zur Erholung. Und für den ein oder anderen Deichkilometer, wenn es mal aufklart.

Länger als für ne Viertelstunde, vielleicht. Heute eher nicht.

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Angekommen

St. Peter-Ording nun also. Schleswig-Holstein, Westküste. Nordfriesland. Wie Ostfriesland, nur ohne Wallhecken und mit Schafen statt Kühen.
Drei Wochen Kur, mit der Option zu verlängern. Den Infarkt abschließen, für mich. Nicht in echt. Logisch.
Vier Stunden Anfahrt, ohne Eile. Oft rechte Spur. Konzentriert. Das hat mich doch etwas müde gemacht. Also Kaffee. Dann dort eingetrudelt, gegessen, ins Zimmer eingezogen.
Den halben Hausstand dort verteilt. Passt. Gerade so, aber passt.
Fünfmal zum Auto hin- und herlaufen hat mich auch nicht munter gemacht, genauso wenig wie das graue miese Nieselwetter.

Der Blick aus meinem Zimmerfenster im zweiten Stock dann schon. Angekommen.

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Zwölf

Die zwölf Rauhnächte der Mittwinterzeit stehen vor der Tür. Zwölf Zahlen hat das Ziffernblatt der Uhr. Zwölf Stunden für den Morgen, zwölf Stunden für den Abend.
Zwölf Monate hat das Jahr.

Zwölf sind ein Dutzend, ein dreckiges Dutzend bisweilen. Zwölf Geschworene versuchen Recht von Unrecht zu scheiden, Wahrheit von Lüge, um über Schuld und Unschuld zu befinden. Zwölf Ritter saßen in der Tafelrunde des Artus. „Germany – twelve points“ hörte man zuletzt ja eher selten.

Von zwölf Aposteln wird  berichtet, auch von den zwölf Palästen der Götter in Asgard, dem Heim der Asen. Von zwölf Imamen als Nachfolger des Propheten. Zwölf Feen waren eingeladen, die dreizehnte sprach den Fluch.

Zwölf Stühle bleiben leer in diesem Advent.

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Herr Kofler bangt um seine Tochter

Es ist sicher eine Sache, das Heft des Handelns für sein eigenes Leben aus der Hand zu geben. Geben zu müssen. Sich dann in sein eigenes Leben zurückzukämpfen. Kalkuliert und eigenverantwortlich.

Eine ganz andere Sache ist es dann allerdings, für sein Kind dieses Heft des Handelns in fremde Hände legen zu müssen. Selbst wenn diese Hände noch so ruhig und hochqualifiziert sind. Zusehen zu müssen, ohne eine echte zweite Option.
Da ist es dann egal, ob man Mutter oder Vater des Kindes ist. Egal, ob das Kind ein Sohn oder eine Tochter ist.

Und selbst als Außenstehender freut man sich, wenn es positiv ausgeht. Als Vater.

Danke für diesen Einblick und alles Gute für Euch.

Herr Kofler erzählt vom Krieg

Den Kaffee hatte ich nicht angerührt. Alleine der Gedanke an den Geschmack verursachte Übelkeit. Ich saß da und starrte ins Leere. Sah die Kellnerin vorbeieilen. Das alte Paar, das am Nebentisch Zeitung las. Und wenn ich mich nach rechts drehte, sah ich die Straßenbahn den Verkehr in Linz in zwei Hälften pflügen. Kein Ton. Kein Geräusch. Alles Watte.

Meine Frau drückte meine linke Hand so fest, dass sie weh tat. Ich zog sie dennoch nicht zurück. Der Schmerz war meine letzte Verbindung zur Realität.

Eine Realität, in der Hannah, unsere Tochter, gerade einmal 14 Jahre alt, nur wenige hundert Meter vom Kaffeehaus entfernt in diesem Moment keinen Herzschlag mehr hatte. Dafür einen geöffneten Brustkorb, in dem ein Chirurg mit Händen und Hightechgeräten zu retten versuchte, was zu retten war. Zwei Herzfehler – Hannah hätte  25, vielleicht 30 Jahre gehabt. Dann wäre sie irgendwann tot umgefallen. Einfach so.

DER SCHOCK

Wieder…

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Leben

Der erste Advent ist nun vorbei. Auch in diesem Jahr habe ich den Abend am letzten Sonntag, also vorgestern, überlebt. Wie letztes Jahr auch. Nur einfacher diesmal. Leichter. Ohne Rippenbrüche von der Herzdruckmassage, ohne erst nach fünf Tagen aus einem künstliches Koma aufzuwachen… okay, was nicht ist, kann natürlich noch werden. Immer, zu jeder Zeit, das habe ich gelernt. Die Prognose sieht da aktuell allerdings doch etwas anders aus. Positiver. Zum Glück! Weiterlesen

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